WM-Glosse: Schwere Gegner warten

Portugal, Ghana, USA – die Zeiten, als man sich vor Beginn einer Fußballweltmeisterschaft die Gegner der deutschen Nationalmannschaft ansah, um deren Stärken und Schwächen zu studieren, liegen lange zurück. Am Ende warten doch wieder Italien, Brasilien oder Spanien als Sieger auf die deutsche Auswahl. Warum sich also die Zeit mit überflüssiger Recherche vollladen? Auch die Aufstellung des eigenen Teams ist irrelevant – die Besten sind verletzt. Manche werden spielen, andere nicht. Am Ende entscheidet der Bundestrainer über Spieler und System, nicht der eigene Familienrat. Und der DFB entscheidet darüber, ob Jogi, falls er wieder ohne Titel zurückkommt, weiter Chef bleiben darf. Nein, bei dieser WM in Brasilien, die heute mit dem Spiel Brasilien-Kroatien beginnt, ist alles anders als früher. Die Wahrheit mag immer noch auf dem Platz liegen – aber nicht nur dort. Sie ist auch bei denen, die angesichts gigantischer Stadionbaustellen auf ihre schwierige soziale Lage aufmerksam machen. Sie ist bei denen, die sich angesichts von Korruptionsvorwürfen gegenüber der FIFA fragen, wie fußballverrückt dieser Verband noch ist. Und ob nicht inzwischen eine andere Form der Verrücktheit die Organisatoren der WM plagt: die Gier. Das klingt bitter und ist angesichts der Mühen der Spieler vielleicht auch unfair, doch gerade als Fußballfan darf man im Zuge einer solchen Entwicklung des Sports nicht einfach die Jalousien runterfahren. Brasilien 2014, Russland 2018, Katar 2022 – so sieht das Programm aus, das auf uns wartet. Schwere Gegner für den Fußball. Stefan Meetschen