Vor der Wahl: Spannung und Spekulationen

Frühjahrsvollversammlung in Würzburg: Wer wird neuer Vorsitzender? – Stimmen der Weihbischöfe sind entscheidend

Würzburg (DT/KNA) Am kommenden Montag kommen die deutschen Bischöfe zu ihrer Frühjahrsvollversammlung in Würzburg zusammen. Mit Spannung wird dabei die Wahl des neuen Vorsitzenden erwartet, die aller Voraussicht nach am Dienstag im Kloster Himmelspforten erfolgen soll. Mitte Januar hatte der 71-jährige Mainzer Bischof überraschend angekündigt, aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz der Konferenz am 18. Februar niederlegen zu wollen. Lehmann ist seit 1987 Vorsitzender und wurde viermal in Folge in dieses Amt gewählt.

Außer der Wahl eines neuen Konferenzvorsitzenden wollen sich die Mitglieder der Bischofskonferenz zudem schwerpunktmäßig mit dem Thema Familie befassen. Weitere Programmpunkte der viertägigen Versammlung sind die Planungen für das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene Paulusjahr, die Umsetzung des päpstlichen Erlasses zum außerordentlichen Ritus und eine Überarbeitung der Leitlinien für multireligiöse Feiern. Auf der Tagesordnung stehen außerdem ein Zwischenbericht zum Medienengagement der Kirche, ein Aufruf zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land und die Bewertung des EU-Vertrags von Lissabon. Doch all diese Themen werden von der erwarteten Wahl des Lehmann-Nachfolgers überschattet. Eine besondere Rolle kommt dabei den Weihbischöfen zu.

Zwar schließt das Statut der Bischofskonferenz aus, dass einer von ihnen als Nachfolger von Karl Lehmann zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt werden kann. Doch von den 69 Stimmberechtigten gehören fast zwei Drittel zur Gruppe der Weihbischöfe. Während bei vielen wichtigen Entscheidungen nur die Ortsbischöfe abstimmen dürfen, haben die Weihbischöfe bei der Wahl des Vorsitzenden rein rechnerisch immer die Mehrheit. Die Bischöfe selbst halten sich mit Einschätzungen merklich zurück. Übereinstimmend wird nur immer wieder betont, ein Nachfolger müsse sein eigenes Profil entwickeln und dürfe nicht Lehmann nachzuahmen versuchen.

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen wünschte sich im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) einen sensiblen Vermittler, anerkannten Theologen und guten Repräsentanten der katholischen Kirche. Für alle Interpretationen offen ist Thissens Satz: „Das ,Pingpong‘ zwischen Köln und München halte ich für möglich, aber nicht zwingend notwendig.“

Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff, derzeit stellvertretender Vorsitzender der Konferenz, unterstrich im KNA-Gespräch, ein Nachfolger müsse „vor allem die Gabe der Integration unterschiedlicher Meinungen“ mitbringen. Mit Blick auf die eigene Person machte Mussinghoff klar, dass es für ihn die sinnvollste Lösung wäre, wenn „ein komplett neues Team an die Spitze gewählt“ würde. Dass er einen persönlichen Favoriten bereits gefunden habe, hat unlängst der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky erklärt. Der Erzbischof mag erwartungsgemäß aber nicht sagen, wen er meint.

In den Medien werden die Namen der Erzbischöfe Marx und Zollitsch als aussichtsreichste Lehmann-Erben genannt. Der neue Erzbischof von München-Freising, Reinhard Marx, versicherte am Freitag in Interviews mit dem „Münchner Merkur“ und der „Süddeutschen Zeitung“, nicht nach neuen Posten Ausschau zu halten. Der 69-jährige Freiburger Erzbischof Zollitsch wird als denkbarer Übergangskandidat gehandelt. Aber auch Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Entscheidend wird sein, ob sich die deutschen Bischöfe jetzt für einen Generationswechsel entscheiden oder auf eine Phase des Übergangs verständigen.