Von Unwörtern und Unworten

Je höher die Herdprämie, desto geringer die Diskriminierung

Von StePhan Baier

Die deutsche Sprache ist so schwer, dass ein normaler Deutschsprachiger sie vielleicht fehlerfrei sprechen und noch vielleichterer fehlerfrei schreiben, aber „mit Mühe kaum“ (wie Wilhelm Busch sagen würde) erklären kann. Erklären Sie doch mal ohne Hilfe des Professor Duden, warum es im Deutschen zwei Plurale (dt.: Mehrzahle?) des Wortes „Wort“ gibt, nämlich „Wörter“ und „Worte“. Irgendwie spüren wir, dass letzte oder goldene Worte mehr sein müssen als nur Wörter. Was aber lässt uns das Wort „Unwort“ spüren? Deutet die Vorsilbe Un- üblicherweise auf eine Negation (etwa: Unsinn), so sind doch Unkosten leider nicht das Gegenteil von Kosten – und ein Unwort ist ebenfalls leider nicht das Gegenteil eines Wortes. Unkosten sind Kosten. Das Unwort ist ein Wort.

„Herdprämie“ wurde nun zum „Unwort des Jahres“ prämiert, weil es Frauen diffamiere, die ihre Kinder eigenhändig erziehen statt sie in Fremdbetreuung zu geben, um sich selbst der Erwerbsarbeit zu widmen – etwa in der Fremdbetreuung fremder Kinder. Nun ist zwar der denkenden Hälfte der Menschheit klar, dass Kindererziehung nicht nur, ja nicht einmal mehrheitlich am Herd stattfindet, doch warum sollen wir uns zwei so positive Begriffe wie „Herd“ und „Prämie“ zunächst negativ besetzen und dann auch noch als zusammengesetztes „Unwort“ brandmarken lassen? Wer gerne gut isst und für die Finanzierung der Zutaten selbst Sorge trägt, wird beides schätzen: den Herd und die Prämie.

Leider werden Familien weniger durch die Herdprämie als durch das Fehlen derselben diskriminiert. Anders formuliert: Würden Familien heute nur durch Unwörter diskriminiert, wäre alles halb so schlimm. Tatsächlich findet die Diskriminierung der Familie in Gedanken, Worten und Werken statt – und da hört der Spaß auf.