Von Rittern und Räuberbanden

Nehmen wir einmal folgendes an: Es ist bekannt, dass ausländische Staatsfonds – zum Beispiel aus Russland, China oder auch Emiraten am persischen Golf – gerade auf internationaler Einkaufstour sind. Ein solcher Fonds also hat – alles nur theoretisch, versteht sich – großes Interesse, sich an einer deutschen Aktiengesellschaft zu beteiligen und will zu diesem Zweck vorab entsprechende Informationen. Das ließe sich auf legale Weise über eine sehr sorgfältige wirtschaftliche Analyse des Unternehmens anstellen. Oder aber illegal – zum Beispiel mit Hilfe des Geheimdienstes. Wirtschaftsspionage nennt man das, was nun gar nicht mehr theoretisch ist oder nur mit James Bond zu tun hätte.

Die Aufregung wäre groß, wenn sich also plötzlich herausstellte, ein ausländischer Staat habe seinen Geheimdienst eingesetzt und große Summen für Tatbestände bezahlt, die hier in Deutschland strafbar sind – der Verrat von geheimen Firmen- oder Bankunterlagen zum Beispiel. Genau das aber ist passiert. Da wehrt sich nun ein winzig kleines, aber finanziell sehr potentes Fürstentum in den Alpen gegen die Machenschaften des Bundesnachrichtendienstes – und muss sich noch dazu den Vorwurf gefallen lassen, sein Verhalten sei „verbrecherisch“, es betreibe eine „moderne Form des Raubrittertums“, so SPD-Chef Kurt Beck.

Aber offenbar verwechselt da Beck Ross und Reiter: Natürlich kann man Liechtenstein vorwerfen, dass es sehr gut von der Gier ausländischer Kunden lebt. Aber für welchen Staat spricht der SPD-Chef da eigentlich, dem es offensichtlich längst nicht mehr gelingt, seine eigenen Bürger dazu anzuhalten, ihre Vermögen auf legale Weise in der Heimat zu investieren? Der heilige Augustinus hat einmal Staaten, denen es an Gerechtigkeit fehlt, mit großen Räuberbanden verglichen. Wie tief muss ein Land – und dessen Politik – gesunken sein, wenn ihm nichts besseres mehr einfällt, als den Geheimdienst auf die Banken seiner Nachbarn anzusetzen? kgm