„Vier Liter Hubraum sind der falsche Weg“

Die Energiepreise werden weiter ansteigen – Der Verbraucherschützer Aribert Peters setzt auf einen überlegten Konsum

Benzin und Heizöl sind so teuer wie nie. Das treibt die Inflation an und gefährdet die Konjunktur. Die Verbraucher reagieren schon mit allgemeiner Konsumzurückhaltung. Ob sich etwas gegen die hohen Ölpreise tun lässt, fragte Johannes Seibel Aribert Peters, den Vorsitzenden des „Bundes der Energieverbraucher“.

Werden wir uns in Zukunft an die hohen Ölpreise gewöhnen müssen?

Ich denke, dass die Ölpreise weiter ansteigen werden. Aber es kann natürlich kurzfristig noch einen Rückgang geben. Das ist immer so, dass nach einem langen und steilen Preisanstieg immer mal wieder eine Preiserholung kommt. Allerdings denke ich, dass jetzt eine solche Preiserholung nicht lange anhalten wird.

Der Verbraucher kann seinen Strom- oder Gasanbieter wechseln, wenn ihm die Preise zu hoch sind. Der „Bund der Energieverbraucher“ bietet für solche Wechsel auch eine entsprechende Beratung an. Was macht der Verbraucher aber bei Benzin und Heizöl, ist er da ohnmächtig – oder kann er sich gegen die Preissteigerungen wehren?

Traurigerweise eigentlich überhaupt nicht. Weil Benzin und Öl keine leitungsgebundenen Energien wie Strom oder Gas sind, hat der Verbraucher keine Möglichkeit, auf den Preis gezielt Einfluss zu nehmen, außer er verweigert den Konsum, was ja keine sinnvolle Alternative ist, er reduziert den Verbrauch – und das machen ja viele auch schon –, oder er beschafft sich sein Benzin und Heizöl mit Überlegung. Das heißt, der Verbraucher sollte sich einen Marktüberblick verschaffen, um an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt beispielsweise sein Heizöl einkaufen zu können und sich mit anderen Verbrauchern zum Heizölsammelkauf zusammenzutun. Oder er sollte ständig die Preise an den Tankstellen vergleichen, um immer jeweils das billigste Benzin tanken zu können.

Das ist im Alltag sehr zeitaufwändig für den einzelnen Kunden. Kann denn die Politik nicht dem Verbraucher helfen? Stichworte Senkung der Mineralölsteuer oder Pendlerpauschale ...

Wir halten eine Steuersenkung nicht für sinnvoll und zielführend. Wir meinen, die Politik müsste insgesamt eine Politik weg vom Öl und Gas betreiben. Eine gezielte Politik wie in Schweden zum Beispiel, das sich innerhalb eines überschaubaren Zeitraums komplett von Öl und Gas lösen will. Wir glauben, dass das unumgänglich und möglich ist. Nur so können wir uns von den Preissprüngen auf dem Ölmarkt und den Folgen der bevorstehenden Knappheit des Öls unabhängig machen.

Das mag für den Energieverbrauch bei Wohnhäusern oder in der Industrie nachvollziehbar sein, hilft aber dem Autofahrer heute wenig. Wie kann er vom Öl unabhängig werden?

Autohersteller wie VW haben in ihren Testlabors heute schon Ein-Liter-Autos entwickelt, die jetzt schnell zur Marktreife kommen sollten. Verbraucher können dann durch den Kauf solcher Autos, die wenig Sprit verbrauchen, und durch sparsame Fahrweise die Benzinkosten senken. Mittelfristig kann auch der Umstieg auf Elektroantriebe, auf Kraftstoff aus Pflanzenöl oder die Kombination solcher Möglichkeiten helfen, von den hohen Benzinpreisen wegzukommen. Mit allen diesen Maßnahmen können wir die Mobilität effizienter organisieren. Wenn dagegen beispielsweise BMW im Moment als neuesten Hit ein Auto mit vier Litern Hubraum und vierhundert PS baut, dann ist das sicherlich der falsche Weg.