„Vereint in der Sorge für das Leben“

US-Bischöfe und iranische Geistliche rufen zu Dialog auf und sprechen sich gegen Terrorismus und Massenvernichtungswaffen aus

Washington (DT/mlu/KNA) Die katholischen Bischöfe der USA und die geistlichen Führer des Irans haben zu einer Kultur der Toleranz, des Dialogs und Friedens aufgerufen. In einer von der US-Bischofskonferenz am Mittwoch veröffentlichten gemeinsamen Erklärung sprechen sich die Religionsführer gegen die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen sowie Terrorismus aus. Zudem sei es notwendig, die religiöse Tradition anderer zu respektieren.

Man habe sich dieses Jahr in Rom getroffen, heißt es in der Erklärung, um angesichts des von Papst Franziskus ausgerufenen Jahres der Barmherzigkeit den moralischen und religiösen Dialog fortzusetzen, der 2014 in Qom begann. „Der Glaube an einen Gott eint Juden, Christen und Muslime. Gott zu dienen macht es erforderlich, für das Wohl all seiner Geschöpfe und das Wohl der gesamten Menschheit zu arbeiten.“ Religionsführer müssten daher moralische Führung bieten und sich gegen das Unrecht, das an der Menschheit begangen wird, aussprechen.

„Das Christentum und der Islam setzen sich ein für Liebe und Respekt vor dem Leben, der Würde und dem Wohlergehen aller Menschen. Beide Religionen lehnen Ungerechtigkeit als moralisch verwerflich ab und stellen sich gegen jegliche Handlungen, die Leben, Gesundheit, Würde oder Wohlergehen von anderen gefährden. Wir sind vereint in unserem Einsatz für ein friedliches Zusammenleben und gegenseitigen Respekt.“

Entwicklung und Gebrauch von Massenvernichtungswaffen sowie terroristische Handlungen betrachte man als unmoralisch. „Zusammen arbeiten wir an einer Welt ohne Massenvernichtungswaffen. Alle Nationen rufen wir dazu auf, keine ABC-Waffen anzuschaffen; diejenigen, die sie besitzen, rufen wir dazu auf, sich dieser zu entledigen.“

Man unterstütze jedoch das „legitime Recht auf Selbstverteidigung“ und unterstütze das Recht einer jeden Nation, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um ihr Volk vor Unrecht zu schützen und die Rechte ihrer Bürger zu sichern. „Wir verurteilen die Zwangsvertreibung von Menschen aus ihrer Heimat und bestärken sie ihn dem Recht, in ihr Herkunftsland zurückzukehren.“ Gleichzeitig erinnere man an die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, die Wiederherstellung dieser Rechte zu erleichtern.

Ernste Bedenken äußerten die Religionsführer der Vereinigten Staaten und des Iran über die Verbreitung extremistischer Ideologien, die häufig geschürt werde durch eine oberflächliche und fehlerhafte Auslegung religiöser Texte und die den inhärenten Wert und die Würde aller Menschen, unabhängig von deren religiösen Überzeugungen, verneine. „Wir rufen religiöse Vertreter und Entscheidungsträger in Gemeinden dazu auf, die Verbreitung solch extremistischen Gedankengutes, das zu Gewalt und Sektierertum anstachelt, zu bekämpfen.“

Gewaltsamer Extremismus und Terrorismus seien globale Herausforderungen und „Pervertierungen eines authentischen religiösen Glaubens“. Die Schuld für Terrorakte dürfe nicht einer ganzen Religion, Nation, Kultur oder ethnischen Gruppe zugesprochen werden. Feste Entschlossenheit und Zusammenarbeit seien erforderlich, um dem gewaltsamen Extremismus entgegenzutreten und die Ursachen zu bekämpfen.

Das gemeinsame Papier ist das Ergebnis eines Dialogs, der 2014 in der iranischen Stadt Qom begonnen und in diesem Juni in Rom fortgesetzt wurde. Von US-amerikanischer Seite nahmen daran Bischof Oscar Cantu von der Diözese Las Cruces in New Mexico, der emeritierte Washingtoner Kardinal Theodore McCarrick, Bischof Richard Pates aus Des Moines im US-Bundesstaat Iowa und Weihbischof Denis Madden aus Baltimore teil. Die iranische Delegation führten Ayatollah Mahdi Hadavi Moghaddam Tehrani und Ayatollah Abolghasem Alidoost an.

Die Unterzeichner schließen das gemeinsame Papier mit dem Bekenntnis, vereint zu sein in ihrer Sorge für das Leben und die Würde der menschlichen Person. „Gemeinsam verpflichten wir uns, den Dialog über die dringendsten Themen wie Armut, Ungerechtigkeit, Intoleranz, Terrorismus und Krieg fortzusetzen.“