Berlin

Verbot von Pro Femina: Berliner Jusos verteidigen Antrag

Der Berliner Juso-Landessekretär bekräftigt gegenüber der „Tagespost“ die Forderung „Pro Choice statt Pro Femina“. Den Vorwurf, man bediene sich der Sprache von Linksextremisten, weist er entschieden zurück.

Jusos weisen Kritik von Pro Femina zurück
Die Beratung von Pro Femina werde „laut Medienberichten“ nicht selten so lange hinausgezögert, meint Zillmer, dass ein Abbruch innerhalb der rechtlich geltenden Fristregelung nicht mehr möglich sei. Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)

Die Berliner Jusos verteidigen ihre Forderung, den Verein „Pro Femina“ zu verbieten und weisen die Kritik des Vorstandsvorsitzenden, Kristijan Aufiero, an ihrem Vorgehen zurück. Gegenüber der „Tagespost“ erklärt der Berliner Juso-Landessekretär Arne Zillmer: „Die Jusos Berlin stehen hinter dem gestellten Antrag ,Pro Choice statt Pro Femina' und den darin enthaltenen Forderungen.“

"Es ist nicht ,linksextrem' zu fordern, dass
Schwangere selbst über ihren Körper bestimmen
und dabei auf staatlich anerkannte Beratungsangebote
zurückgreifen können, die ergebnisoffen beraten"
Arne Zillmer, Berliner Juso-Landessekretär

Den Vorwurf, man bediene sich der Sprache und Forderungen von Linksextremisten weise man entschieden zurück, so Zillmer. „Es ist nicht ,linksextrem' zu fordern, dass Schwangere selbst über ihren Körper bestimmen und dabei auf staatlich anerkannte Beratungsangebote zurückgreifen können, die ergebnisoffen beraten.“ Dies sollte im 21. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit sein, so der Landessekretär.

Aufiero hatte den Berliner Jusos zuvor in einem Beitrag auf der auf der Pro-Femina-Website sowie gegenüber dieser Zeitung vorgeworfen, sich „die Sprache und die Forderungen von Linksextremisten“ zu eigen zu machen, ohne mit Pro Femina gesprochen zu haben. Die Forderung, Pro Femina zu schließen, würde daher ohne Reflexion erhoben. „Das ist eine Willkür, die uns sprachlos macht“, so Aufiero.

Zillmer kritisiert angeblich nicht ergebnisoffene Beratung

Gegenüber der „Tagespost“ kritisiert Zillmer abermals, dass bei Pro Femina „laut Kritiker*innen“ keine ergebnisoffene Beratung stattfinde. „Ziel ist es einen möglichen Abbruch zu verhindern, ohne dass dabei auf die Situation und die Wünsche der Schwangeren Rücksicht genommen wird.“ Die Beratung werde dabei „laut Medienberichten“ nicht selten so lange hinausgezögert, dass ein Abbruch innerhalb der rechtlich geltenden Fristregelung nicht mehr möglich sei. Auf welche Medienberichte er sich bezieht, nennt Zillmer nicht.

Dass der Pro-Femina-Vorstandsvorsitzende Aufiero die für eine straffreie Abtreibung benötigten Beratungsscheine als „Tötungslizenzen“ bezeichne, sei schon eindeutig parteiisch, so Zillmer weiter. Die Kritik der Berliner Jusos hatte sich unter anderem auch daran entzündet, dass Pro Femina keine Beratungsscheine ausstellt.

Zillmer: Ergreifen keine Partei für "feige Gewalttäter"

Den von Aufiero erhobenen Vorwurf, die Berliner Jusos und Teile der Berliner SPD würden „Partei für feige Gewalttäter“ ergreifen, entspreche zudem nicht den Tatsachen. „Wir lehnen Gewalt ab und setzen stets auf den demokratischen Diskurs - so auch in diesem Fall.“ Als Parteijugend stelle man einen Antrag mit Forderungen, der dann beraten und entweder angenommen oder abgelehnt werde. „Das ist das ganz normale demokratische Prozedere, das ist ur-demokratisch“, meint Zillmer. Über den Antrag wird auf kommenden Sonntag auf dem Landesparteitag der Berliner SPD diskutiert.

DT/mlu