Verbände für Verbot der Suizid-Beihilfe

Sterbehilfe-Tourismus in die Schweiz nimmt zu – Deutsche und österreichische Laienverbände verteidigen Lebensrecht in der Endphase

Zürich/Salzburg (DT/KNA) Von 2008 bis Ende 2012 haben 611 Ausländer in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch genommen. Darunter waren 268 Deutsche und 126 Briten, wie die „Neue Züricher Zeitung“ am Dienstag unter Berufung auf eine im „Journal of Medical Ethics“ veröffentlichte Studie berichtet, in der Daten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich ausgewertet wurden. Die Studie ist Teil einer Untersuchung, die 30 Jahre Sterbehilfe-Praxis unter die Lupe nimmt.

Danach ist die Zahl der jährlichen Fälle von Sterbehilfe-Tourismus zwischen 2008 und 2012 von 123 auf 172 angestiegen. 58,5 Prozent der Sterbehilfe-Touristen sind Frauen. Hauptgründe sind neurologische Erkrankungen (47 Prozent), es folgen Krebs (37 Prozent) sowie rheumatische und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 28 Prozent der Personen gaben an, an mehr als einer Krankheit zu leiden. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass immer mehr Menschen mit nicht-tödlichen Krankheiten Sterbehilfe in Anspruch nehmen.

Unterdessen beschloss der Kanton Zürich, dass Kosten, die durch Suizidbegleitung von Ausländern anfallen, weiter von der öffentlichen Hand übernommen werden. Dabei geht es etwa um die Leichenschau zur Klärung von Identität und Todesart. Die Kommission für Justiz und öffentliche Sicherheit des Kantonsrates hatte vorgeschlagen, einen Teil der Kosten den beteiligten Sterbehilfeorganisationen aufzubürden. In der Schweiz ist es legal, anderen Menschen Mittel zum Suizid zur Verfügung zu stellen und sie zu begleiten, sofern der Helfer nicht persönlich vom Tod profitiert.

Selbsttötung kein Zeichen von Selbstbestimmung

Ein Verbot der organisierten Beihilfe zur Selbsttötung fordern große Katholikenorganisationen in Deutschland und Österreich. Der Schutz der Würde und des Lebensrechtes schwerstkranker Menschen erfordere ein klares Nein zum assistierten Suizid, erklärten die Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) und der österreichischen Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV) am Dienstag nach einer Tagung in Salzburg. Die Laienorganisationen fordern den Ausbau einer flächendeckenden, für alle zugänglichen Hospiz- und Palliativbetreuung in stationärer wie auch in ambulanter Form. In beiden Ländern ist Tötung auf Verlangen verboten. In Deutschland ist Beihilfe zur Selbsttötung nicht geregelt. Sie ist Ärzten in ihrem Standesrecht untersagt. In Österreich ist Suizidbeihilfe nicht erlaubt, es gibt aber eine Debatte über eine Aufweichung dieses Verbots. Zudem wird in der Alpenrepublik über eine Verankerung des „Grundrechts auf ein Sterben in Würde“ und des Verbots der aktiven Sterbehilfe in der Verfassung beraten.

Die Verbände wenden sich dagegen, die Freiheit zur Selbsttötung als Zeichen der Selbstbestimmung zu werten. Wenn die Beihilfe zur gesellschaftlich akzeptierten Normalität würde, schaffe dies ein gesellschaftliches Klima, das das Lebensrecht hilfs- und pflegebedürftiger Menschen in der Endphase ihres Lebens infrage stelle. „Betroffene müssen sich dann zunehmend rechtfertigen, warum sie diese Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen“, heißt es in der Erklärung. Die Verbände warnen davor, die Beihilfe zur Selbsttötung zu einer ärztlichen Leistung neben anderen zu machen. „Das Vertrauen, dass Ärzte dem Leben verpflichtet sind und nicht dem Töten oder der Beihilfe zum Selbsttötung, wäre untergraben.“

Mit Blick auf die Suizide Prominenter in den vergangenen Jahren wenden sich die Verbände gegen Kampagnen wie „Mein Tod gehört mir“ oder „Selbstbestimmung bis zuletzt“. Solche Aussagen blendeten die Erkenntnisse der Suizidforschung aus, dass auch der sogenannte „Bilanzsuizid“ gerade bei älteren Menschen oftmals große Lebensängste oder Verlusterfahrungen spiegele. „Angewiesen zu sein auf andere, auf Hilfe und Fürsorge von Mitmenschen, sind keine menschenunwürdigen Zustände, sondern gehören zur Grundverfassung des Menschen“, heißt es in der Erklärung.