Vatikan stellt erstmals Gebeine des Heiligen Petrus aus

Am Sonntag endet das „Jahr des Glaubens“ – Papst Franziskus veröffentlicht Apostolisches Schreiben „Evangelii gaudium“. Von Guido Horst

Papst Franziskus besuchte am 1. April 2013 die Vatikanischen Grotten unterhalb des Petersdoms. Foto: KNA
Papst Franziskus besuchte am 1. April 2013 die Vatikanischen Grotten unterhalb des Petersdoms. Foto: KNA

Rom (DT) Zum ersten Mal in der Geschichte überhaupt stellt der Vatikan die Reliquien des heiligen Petrus aus – und zwar zum Abschluss des „Jahrs des Glaubens“, dem Papst Franziskus in dieser Woche vom Donnerstag bis zu einer feierlichen Messe am Sonntag auf dem Petersplatz vorstehen wird. Das gab gestern Erzbischof Rino Fisichella vom Päpstlichen Neuevangelisierungs-Rat in Rom bekannt. Am Sonntag werde der Papst auch ein Apostolisches Schreiben veröffentlichen, so Fisichella weiter. Es trage den Titel „Evangelii gaudium“ (Die Freude des Evangeliums) und Franziskus werde es am Sonntag symbolisch einem Bischof, einem Priester und einem Diakon überreichen. Mehr als 8,5 Millionen Katholiken aus aller Welt sind in den vergangenen dreizehn Monaten anlässlich des Glaubensjahrs nach Rom gepilgert, erläuterte der Erzbischof. Am 11. Oktober 2012 hatte Benedikt XVI. das Jahr eröffnet, genau am fünfzigsten Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanums.

Die eigentliche Sensation ist aber jetzt die Ausstellung der sterblichen Überreste des Apostelfürsten. So wie Benedikt XVI. das Grab und die Reliquien des Völkerapostels Paulus allen Gläubigen wieder zugänglich gemacht hatte, so kommt es nun Papst Franziskus zu, mit einem öffentlichen Akt auf die Bedeutung des Petrusgrabs hinzuweisen, das sich genau unterhalb des Altars des Petersdoms befindet und das eigentliche Fundament des Papsttums und der römischen Kirche darstellt.

Schon Kaiser Konstantin hatte im vierten Jahrhundert den Altarraum von Alt-Sankt-Peter genau über der Stelle errichten lassen, wo die Christen der ersten Jahrhunderte die Grablege des Fischers aus Galiläa verehrt hatten, der unter Kaiser Nero ungefähr da, wo heute der Campo Santo Teutonico neben der Vatikanbasilika liegt, das Martyrium erlitten hatte. Petrus war dann neben dem Zirkus begraben worden, genau dort, wo sich heute der Bernini-Altar in der Vatikanbasilika erhebt. Die Grablege des Apostelfürsten kam aber erst bei Ausgrabungen unter dem Petersdom während des Zweiten Weltkriegs zum Vorschein. Es war Pius XII., der der Öffentlichkeit die Auffindung des Petrusgrabs bekannt gab. Unter Paul VI. zeichnete es sich dann im Zuge weiterer archäologischer Untersuchungen ab, dass die in dem Grab aufgefundenen Knochen tatsächlich dem heiligen Petrus zuzuschreiben sind. Teile der Gebeine wurden schließlich in einer Urne Paul VI. überreicht; die Urne befindet sich seither, seit 1971, in der päpstlichen Kapelle im Apostolischen Palast. Auf der Urne befindet sich eine Inschrift, mit der Papst Montini den Glauben der Kirche zum Ausdruck bringt, dass es sich beim Inhalt der Urne um sterbliche Überreste des Apostels Petrus handelt. Diese Urne wird am Sonntag, dem 24. November, zum ersten Mal beim Abschluss des Glaubensjahrs öffentlich ausgestellt – ob nur im Petersdom oder auch bei der Messe auf dem Petersplatz, das wusste Erzbischof Fisichella noch nicht zu sagen.

Der Abschluss des Glaubensjahrs beginnt am Donnerstag mit einem Besuch von Papst Franziskus auf dem römischen Aventin. Auf diesem Hügel liegen die frühesten Wurzeln der weiblichen Orden in Rom. Am Samstag ist dann der Tag der Katechumenen im (zu Ende gehenden) „Jahr des Glaubens“. Franziskus wird 35 Kandidaten für die Aufnahme in die katholische Kirche am Eingang des Petersdoms empfanden und ihnen die drei Fragen aus dem Ritus für Katechumenen stellen: „Wie ist dein Name? Was begehrst du von der Kirche? Was schenkt dir der Glaube?“

Die eucharistische Feier auf dem Petersplatz beginnt dann am Sonntag um 10.30 Uhr. Franziskus wird sein Apostolisches Schreiben „Evangelii gaudium“ auf CD gebrannt auch Ordensleuten, Firmlingen, Seminaristen und Novizen sowie Angehörigen von Bruderschaften und geistlichen Bewegungen überreichen. Ebenso wird eine besondere Geste zugunsten der von dem Hurrikan Haiyan getroffenen Bevölkerung der Philippinen zum Abschluss des Glaubensjahrs gehören. Der kommende Sonntag ist der letzte des laufenden Kirchenjahrs, an ihm feiert der katholische Erdkreis das Fest Christkönig.