Vatikan kritisiert Organhandel

Vatikanstadt (DT/KAP) Menschen aus armen Ländern, darunter auch Kinder, würden vom organisierten Verbrechen für den Handel mit Organen ausgebeutet: Davor warnt die aktuelle deutschsprachige Ausgabe des „L'Osservatore Romano“. Der wissenschaftliche Fortschritt habe neue, „schreckliche“ und „nie dagewesene“ Formen der Unterdrückung von Menschen entstehen lassen, von denen niemand den Blick abwenden dürfe und die einen Prozess des Nachdenkens erfordern. In zunehmendem Ausmaß gelangten „Niemandskinder“ in die Fänge der Organmafia. Eine wachsende Zahl von auf sich allein gestellten Kindern – oft sogar Kleinkinder im Alter von drei bis vier Jahren – würden von Kriminellen auch über das Mittelmeer geschmuggelt. Teils seien diese Kinder von ihren eigenen Eltern weggeschickt worden in der Hoffnung auf Zuflucht aus der Gefahr eines Krieges oder von Drogenhändlern, teils hätten die Kinder ihre Eltern unterwegs verloren oder seien Waisen. Die Nachfrage nach Organen wachse in den reichen Ländern immer mehr, während die Zahl der Organspender aus Altersgründen zurückgehe. Dies verleite zu „böswilligen Handlungen, die immer die Ausbeutung armer Menschen einschließen und auch zu regelrechten Verbrechen werden können“, so die Zeitung. Reiche alte Menschen würden somit durch Ausbeutung armer Menschen in anderen Ländern ihr Leben retten oder verlängern. Vor diesem „Produkt der Moderne und des wissenschaftlichen Fortschritts“ würden selbst die Sklaverei oder der Menschenhandel zum Zweck der Prostitution erblassen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich 10 000 Organe am Schwarzmarkt verkauft werden, von einem Umsatz von über 500 Millionen Dollar ist die Rede. Weniger schwerwiegend, aber immer weiter greife auch die Praxis der Leihmutterschaft um sich – „dass Frauen aus armen Ländern ihre Gebärmutter an unfruchtbare oder auch homosexuelle Paare vermieten“. Auch dies sei „eine Form der Ausbeutung, die als Akt der Barmherzigkeit ausgegeben werden soll“.