Vater Staat auf hoher See

Die deutsch-iranische Zusammenarbeit trägt erste Früchte. Aber nicht für Obstler, nur für Früchtetee

Obama will eine neue Politik des Dialogs gegenüber dem Iran, doch ist er sich über die weitreichenden Folgen im Klaren? Eine Warnung sei ihm die jüngste Frucht der Zusammenarbeit zwischen dem säkularen Deutschland und dem schiitischen Iran: Die Achse Berlin-Teheran kämpft gegen die Trunkenheit auf hoher See. Wo einst vom Grog inspiriert aus vollen Kehlen „Britannia rule the waves“ gegrölt wurde, herrscht ab 2012 deutsch-iranische Nüchternheit. Für Kapitäne und Matrosen in der internationalen Schiffahrt wird dann eine Grenze von 0,5 Promille Alkohol im Blut gelten. Für Crews von Passagier- und Gefahrengutschiffen gilt gar ein absolutes Alkoholverbot. Vergeblich hatten Gewerkschaften darauf hingewiesen, dass Schiffe nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Lebensraum sind.

Wir wollten aus diesem Anlass hier darüber spekulieren, ob alkoholfrei mehr Unfälle auf hoher See passieren werden, wieviele brave Seeleute nun zu den somalischen Piraten überlaufen oder gleich neue Freibeuter-Netzwerke schaffen werden. Dann wollten wir einige schöne Seemannslieder zum Besten geben und die Frage aufwerfen, wie diese wohl nach dem Genuss von Fanta und Kamillentee klingen. Doch gerade in diesem Moment erreicht uns die Nachricht, dass der deutsche Finanzminister Steinbrück eine „Erhöhung der Neuverschuldung“ verteidigt und den Schuldenabbau auf bessere Zeiten vertagt hat. Das lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder sind alle werktätigen Familienväter eingeladen, dem Vorbild von „Vater Staat“ zu folgen, und mit vollen Händen aus leeren Kassen schöpfend nun kräftig Schulden zu machen. Der Konjunkturbelebung dienend könnten wir uns bis zur Urururenkel-Generation verschulden ohne seekrank zu werden. Oder wir brauchen dringend eine deutsch-iranische Initiative gegen Trunkenheit auf der Regierungsbank.