Und noch eine Katastrophe

Dioxin im Mozzarella – Italiens Pechsträhne reißt nicht ab

Von Guido Horst

Auch das noch. Nicht nur, dass es unaufhörlich regnet, dass einer der dümmsten Wahlkämpfe das Land in den Wahnsinn treibt, dass Carla Bruni beim Staatsbesuch in London aussah wie eine graue Maus und dass offensichtlich niemand die marode Fluggesellschaft Alitalia haben will. Wer ob solch permanenten Ungemachs dumpf brütend vor dem Fernseher sitzt, sieht in Italien seit einigen Tagen am laufenden Band auch noch folgende Bilder: Gemächlich käuende Rindviecher der Gattung Wasserbüffel (Bubalus bubalis), dann wieder Männer in weißen Kitteln, die aus einer milchigen Brühe schleimartige Klumpen ziehen und zu schwabbeligen Häufchen formen. Dazu die Stimme aus dem Off, die von der jüngsten nationalen Katastrophe berichtet: Der „Mozzarella di bufala“, Italiens Exportschlager auf dem Gebiet des weichen Käses, ist auch nicht mehr das, was er einmal war. In mindestens 25 Käsereien der Region Kampanien sind erhöhte Spuren der giftigen Substanz Dioxin in der Delikatesse aus Büffelmilch gefunden worden. 83 Büffel-Zuchtbetriebe wurden bereits geschlossen, gegen insgesamt 109 Personen ermitteln die Behörden. Japan und Südkorea haben die Grenzen für italienischen Mozzarella bereits dicht gemacht, und Brüssel droht mit einem Einfuhrverbot in allen Ländern der Europäischen Union.

Und wie kommt das Dioxin in die weichen Käsebällchen? Bevor man anfing, den Müll Kampaniens nach Deutschland zu verfrachten, hat man ihn Jahr ein, Jahr aus dort verbuddelt, wo unschuldige Wasserbüffel eben jene Gräser fressen, die sie zu jener Milch verarbeiten, aus der man den Mozzarella gewinnt. Wenn der einem schon im Halse stecken bleibt, dann ist es wirklich fünf nach zwölf. Ob Berlusconi oder Veltroni – wer auch immer in zwei Wochen die italienischen Wahlen gewinnt, der tritt ein giftiges Erbe an.