Uganda: Kampf gegen Ebola-Virus

„Ärzte ohne Grenzen“ will helfen, die lebensbedrohliche Infektionskrankheit einzudämmen. Von Christiane Winje

ist Nothilfekoordinatorin bei „Ärzte ohne Grenzen“. Foto: ÄoG
ist Nothilfekoordinatorin bei „Ärzte ohne Grenzen“. Foto: ÄoG
Wo ist Ebola zuerst ausgebrochen?

Im Bezirk Kibaale im Westen Ugandas wurden 18 Menschen mit Ebola in das Krankenhaus in Kigadi gebracht. Am 31. Juli startete ein Team von „Ärzte ohne Grenzen“ in Kigadi den Nothilfeeinsatz, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Haben die Menschen in Kigadi Angst, dass sich das Ebola-Virus weiter ausbreitet?

Die Menschen hier sind sicherlich besorgt, aber die Situation in der Umgebung ist ruhig und das Krankenhaus bleibt weiterhin offen. Wenn wir es schaffen, die Ausbreitung des Ebola-Virus einzudämmen, können wir die Epidemie unter Kontrolle bekommen.

Was halten Sie von dem Ratschlag des ugandischen Präsidenten an die Menschen, direkten Kontakt mit anderen zu begrenzen?

Es ist wahr, dass die Vermeidung von direktem Kontakt mit anderen eine gute Möglichkeit ist, sich zu schützen. Doch Menschen, die keine Symptome haben, sind auch nicht ansteckend. Es braucht also niemand Angst zu haben, auf die Straße zu gehen. Den Kontakt mit Körperflüssigkeiten von anderen zu vermeiden, ist aber der beste Weg, um einen Ebola-Ausbruch zu begrenzen. Das ist jedoch nur in der Region Kigadi wirklich nötig.

Ist Ebola heilbar?

Es gibt keine spezifische Behandlung für Ebola. Trotzdem gibt es Menschen, die die Krankheit überleben. Die Sterblichkeitsrate hängt von dem Ebola-Typus ab, von dem es fünf verschiedene gibt. Bei diesem Ausbruch handelt es sich um den Ebola-Sudan-Stamm, der erstmals im Sudan im Jahr 1976 aufgetreten ist. Es ist nicht die tödlichste Ebola-Form, dennoch sterben bis zu 70 Prozent der Erkrankten daran.

Welche Behandlung erhalten die Patienten?

Menschen, die schwer erkrankt sind, bekommen eine intensive, unterstützende Behandlung. Die Patienten sind häufig dehydriert und brauchen eine orale Trinklösung. Bislang gibt es aber keine spezifische Behandlung und keinen Impfstoff gegen das hämorrhagische Ebola-Fieber. Mehrere mögliche Impfstoffe werden derzeit getestet, aber es könnte noch mehrere Jahre dauern, bis ein Impfstoff verfügbar ist.

Was tut „Ärzte ohne Grenzen“, um den Ausbruch in Uganda zu bekämpfen?

Unsere Priorität ist, die Ausbreitung der Seuche zu begrenzen und zu verhindern, dass neue Fälle auftreten. Das wollen wir erreichen, indem wir infizierte Menschen behandeln und ein Erfassungssystem aufbauen, anhand dessen wir neue Fälle schnellstmöglich identifizieren, isolieren und behandeln können. Wir haben Teams zur Gesundheitsaufklärung aufgestellt, um die Gemeinden auf die Symptome des Virus hinzuweisen und sie darin zu beraten, wie sie das Risiko einer Ansteckung mindern können.

Warum tragen die medizinischen Teams von „Ärzte ohne Grenzen“ bei der Behandlung von Ebola-Patienten spezielle Anzüge?

Ebola ist ein hämorrhagisches Fieber und breitet sich schnell durch direkten Kontakt mit infizierten Menschen oder Tieren aus. Es kann durch Blut, Körperflüssigkeiten und sogar die Kleidung einer infizierten Person übertragen werden. Die Teams tragen diese Anzüge, um zu vermeiden, sich anzustecken.

Warum sind Beerdigungen bei einem Ebola-Ausbruch Grund zur Sorge?

Weil Ebola so ansteckend ist und sich durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten verbreitet. Beerdigungen sind ein echter Grund zur Sorge, insbesondere, wenn beim Umgang mit dem Körper keine Schutzmaßnahmen getroffen werden. Die Mehrzahl der Menschen, die bei diesem Ausbruch sterben, sind bislang diejenigen, die an der Beerdigung eines kleinen Mädchens teilgenommen haben.