Trump und Clinton kaum noch einzuholen

Die Favoriten fahren bei den US-Vorwahlen klare Siege ein – Sanders ohne realistische Siegchancen. Von Maximilian Lutz

Washington (DT) Der Republikaner Donald Trump und die Demokratin Hillary Clinton haben am Dienstagabend bei den US-Vorwahlen in fünf nordöstlichen Bundesstaaten eindeutige Siege eingefahren. Trump gewann in allen fünf Staaten – Connecticut, Delaware, Maryland, Pennsylvania und Rhode Island – mit über 50 Prozent der Stimmen. Clinton musste sich nur in Rhode Island ihrem Widersacher Bernie Sanders geschlagen geben.

Mit teilweise mehr als 40 Prozent Vorsprung vor seinen Konkurrenten Ted Cruz und John Kasich verdeutlichte der Unternehmer Trump einmal mehr, dass er der einzige republikanische Kandidat ist, der bei einer breiten Wählerbasis Zuspruch findet. Evangelikale Christen, Liberale, Akademiker und Arbeitslose stimmten in überwiegender Mehrheit für den 69-Jährigen. „Ich betrachte mich als den mutmaßlichen Kandidaten“, verkündete Trump nach seinem Fünffach-Erfolg vor seinen Anhängern in New York.

Der Milliardär hat nun insgesamt 950 Delegiertenstimmen eingesammelt, weniger als 300 fehlen ihm noch bis zur absoluten Mehrheit von 1 237 Delegierten. Um zu verhindern, dass Trump dieses Ziel vor der großen Parteiversammlung der Republikaner Mitte Juli erreicht und stattdessen eine Kampfabstimmung zu erzwingen, waren seine Widersacher Cruz und Kasich zuvor eine ungewöhnliche Allianz eingegangen: Sie hatten verkündet, in einigen Staaten künftig nicht mehr beide antreten zu wollen, um dem jeweils anderen keine Stimmen wegzunehmen. So wird sich der texanische Senator Cruz auf die nächste Vorwahl im Bundesstaat Indiana am kommenden Dienstag konzentrieren; Ohios Gouverneur Kasich wird in den westlichen Staaten Oregon und New Mexico, die am 17. Mail und am 7. Juni Vorwahlen abhalten, als einziger Konkurrent zu Trump antreten.

Experten zweifeln jedoch am Erfolg dieser Strategie, die Trumps Unterstützer in der Ansicht bestärken könnte, das republikanische Partei-Establishment verschwöre sich gegen eine Kandidatur des New Yorkers. Trump selbst gab sich von den Plänen seiner Mitstreiter unbeeindruckt: „Es ist ein Zeichen völliger Schwäche, wenn zwei langjährige politische Insider – Leute des Establishments – sich zusammentun müssen, um zu versuchen, jemanden zu schlagen, der wirklich das ausspricht, was die Leute wollen“, sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rhode Island.

Nach seinen eindeutigen Siegen am Dienstagabend hat Trump nun gute Chancen, die Mehrheit von 1 237 Delegierten doch noch bis zum republikanischen Parteitag hinter sich zu vereinen. Von den noch verbleibenden 502 Delegierten benötigt er 287. Für Trump spricht zum einen, dass er in den meisten Umfragen klar in Führung liegt. Zum anderen vergeben sechs der noch ausstehenden zehn Bundesstaaten alle Delegierten an den Sieger. Allein mit einem Erfolg in Kalifornien am 7. Juni könnte Trump 172 Stimmen erhalten.

Darüber hinaus mehren sich nicht nur unter den Anhängern Trumps, sondern innerhalb eines großen Teils der republikanischen Parteibasis die Stimmen, die fordern, dass in jedem Fall der Bewerber mit den meisten Delegiertenstimmen auf dem Parteitag auch zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden sollte. Die Option einer Kampfabstimmung, momentan die einzige Hoffnung von Cruz und Kasich, wäre somit nicht mehr realisierbar.

Auf Seiten der Demokraten dürfte das Rennen nach dem jüngsten Wahlergebnis entschieden sein. Nach Clintons Triumph in vier Staaten hat ihr Widersacher Sanders kaum noch realistische Chancen. Rechnet man die demokratischen Superdelegierten mit ein, kommt die ehemalige Außenministerin auf 2 159 Delegiertenstimmen – sie benötigt lediglich 224 weitere, dann hätte sie die absolute Mehrheit von 2 383 Delegierten erreicht. „Mit eurer Hilfe werden wir zurück nach Philadelphia kommen, zum demokratischen Parteitag, mit den meisten Stimmen und den meisten Delegierten“, rief sie ihren Anhängern in Philadelphia, der größten Stadt in Pennsylvania, zu. Clinton könnte bereits nach den Vorwahlen der Demokraten in Kentucky und Oregon am 17. Mai als Präsidentschaftskandidatin feststehen.

Trotz seiner jüngsten Wahlniederlage kommt es für Clintons hartnäckigen Widersacher Sanders nicht in Frage, vorzeitig aus dem Rennen um die demokratische Kandidatur auszusteigen. In einem Statement auf seiner Webseite erklärte der 74-Jährige: „In jedem Bundesstaat dieses Landes sollten die Bürger das Recht haben, darüber abzustimmen, wen sie als Präsidenten wollen. Deshalb bleiben wir im Rennen, bis die letzte Stimme abgegeben ist.“