Washington

Trump: Wer die Demokraten wählt, ist illoyal gegenüber Israel

Der US-Präsident muss sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, er bediene antisemitische Klischees: Für Kritik sorgt seine Äußerung, man verhalte sich illoyal gegenüber Israel und dem jüdischen Volk, wenn man für die Demokraten stimme.

Trump für Bemerkungen zu jüdischen Wählern in der Kritik
Wenn man für die Demokraten stimmt, verhält man sich illoyal gegenüber dem jüdischen Volk und sehr illoyal gegenüber Israel“, erklärte US-Präsident Trump. Nur „schwache Leute“ würden etwas anderes behaupten. Foto: Alex Brandon (AP)

Der US-Präsident Donald Trump steht aktuell wegen Bemerkungen über amerikanische Juden, die für die oppositionellen Demokraten stimmen, in der Kritik. „Wenn man für die Demokraten stimmt, verhält man sich illoyal gegenüber dem jüdischen Volk und sehr illoyal gegenüber Israel“, erklärte der Republikaner gegenüber Journalisten im Weißen Haus. Nur „schwache Leute“ würden etwas anderes behaupten.

Mangel an Wissen oder große Illoyalität

Trump nahm mit seinen Äußerungen indirekt Bezug auf die muslimischen demokratischen Kongressabgeordneten Rashida Tlaib und Ilhan Omar, die in der Vergangenheit immer wieder mit deutlicher Kritik an der israelischen Regierung aufgefallen waren. Wer als Jude für die Demokraten stimme, stelle daher entweder einen völligen Mangel an Wissen oder ein großes Maß an Illoyalität unter Beweis, so der US-Präsident. Einer Statistik des in Washington, D.C. ansässigen Pew Research Center zufolge gaben 79 Prozent der jüdischen Wähler bei den Kongresswahlen im vergangenen Jahr ihre Stimme einem Kandidaten der Demokratischen Partei.

"Es ist höchste Zeit aufzuhören, Juden
als politischen Spielball zu verwenden“
Jonathan Greenblatt, Vorsitzender der "Anti Defamation League"

Für seine Aussagen wurde Trump deutlich kritisiert, etwa vom Vorsitzenden der „Anti Defamation League“, einer NGO, die sich gegen die Diskriminierung von Juden einsetzt. Wem gegenüber sich Juden nach Trumps Ansicht illoyal verhielten, wenn sie die Demokraten wählten, sei für ihn unklar, schrieb Jonathan Greenblatt auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter. Man könne auch ohne solche Behauptungen am demokratischen Prozess teilnehmen. „Es ist höchste Zeit aufzuhören, Juden als politischen Spielball zu verwenden.“ Die Geschäftsführerin des „Jewish Democratic Council of America“, Halie Soifer, nannte Trumps Bemerkungen als weiteren Beleg dafür, wie der US-Präsident Antisemitismus politisiere und als Waffe benutze.

Trump erhielt aber auch vereinzelt Zuspruch: Die „Coalition for Jewish Values“ (CJV), ein Zusammenschluss von mehr als 1 000 traditionellen Rabbinern, dankte dem 73-Jährigen für seinen Einsatz für jüdische Interessen. Den Vorwurf, der Präsident bediene antisemitische Stereotype, wiesen die Rabbiner zurück.

Vereinzelt Zuspruch von traditionellen Rabbinern

Wörtlich erklärte der Leiter des CJV, Rabbi Yaakov Menken: „Der Präsident sollte zwar nicht versuchen, Juden zu sagen, welche Juden ,illoyal' sind. Seine Bedenken sind aber nachvollziehbar und nicht im Entferntesten antisemitisch.“ Ein anderer Rabbiner des CJV wies darauf hin, dass manche Organisationen, die von sich behaupteten, die jüdische Gemeinde zu vertreten, auch auf überparteiliche Weise für jüdische Interessen eintreten sollten. Oft würden linke jüdische Gruppierungen Trump des Antisemitismus bezichtigen, um sich nicht mit dem inhaltlichen Kern seiner Äußerungen auseinandersetzen zu müssen.

DT/mlu

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