Syrien: Kein Frieden in Sicht

Kirchen sagen Prozessionen ab und warnen vor Irakisierung – Opposition kritisiert Arabische Liga – Clinton stimmt sich mit Saudis ab

Damaskus (DT/dpa/KAP) Die Kirchen in Syrien haben wegen des blutigen Konflikts alle Prozessionen zum Osterfest abgesagt. Das berichteten am Freitag Mitglieder verschiedener Glaubensrichtungen in Damaskus. Nur die Gottesdienste sollen abgehalten werden. Den Gläubigen wurde geraten, zu Hause im familiären Rahmen zu feiern. Die Priester erklärten, sie wollten zu Ostern im Gottesdienst für die Seelen der Opfer der Auseinandersetzung beten sowie für die Genesung der Verwundeten und dafür, dass Nächstenliebe das Verhältnis zwischen den Konfessionen beherrscht. Rund zehn Prozent der Syrer sind Christen. Präsident Baschar al-Assad und viele Funktionäre seines Regimes gehören der islamischen Minderheit der Alawiten an. In den vergangenen Wochen mehren sich Berichte über Gewalt zwischen Sunniten und Alawiten in den Hochburgen des Aufstandes.

Der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Bischof Antoine Audo, hat sich gegenüber dem Hilfswerk „Kirche in Not“ zutiefst besorgt über die Lage in der Bürgerkriegsregion gezeigt. „Die Christen wissen nicht, wie es mit ihnen weitergehen soll. Sie haben Angst, nicht in ihre Häuser zurückkehren zu können“, so der Bischof. Audo befürchtet, Syrien könnte zu einem zweiten Irak werden, mit Angriffen auf Kirchen, der erzwungenen Vertreibung und der Entführung von Christen. Wie der vatikanische „Fides“-Dienst meldet, hätten Armenier in der türkischen Provinz Hatay an der Grenze zu Syrien einen Gottesdienst für den Frieden im Nachbarland gehalten. In Syrien leben rund 60 000 bis 80 000 Armenier. Unter Berufung auf Armenier in Syrien heißt es bei „Fides“, dass die meisten Mitglieder neutral im Hinblick auf die Krise seien. Sie folgen damit der offiziellen Position der armenischen Kirche. Viele Gläubige wünschten sich vor allem Stabilität. Ein Wandel mache Angst, man befürchte eine islamische Theokratie oder einen Status der Illegalität und der Instabilität. Seit Beginn der Aufstände in Syrien werde von einem möglichen „neuen Exodus“ der im Land lebenden Armenier gesprochen.

Die Protestbewegung gab sich am Freitag enttäuscht von den Ergebnissen des Gipfels der Arabischen Liga in Bagdad. In einer Botschaft des Allgemeinen Führungsgremiums der Syrischen Revolution heißt es: „Wir sind zufrieden, dass man dem syrischen Regime nicht erlaubt hat, an diesem Gipfeltreffen teilzunehmen, aber wir verurteilen und bedauern, dass auch kein Vertreter des syrischen Volkes eingeladen wurde, um zu berichten über das, was in Syrien geschieht.“ Mehrere Teilnehmer des Gipfels, der am Donnerstag mit einem Aufruf zum politischen Dialog in Syrien geendet hatte, hätten verhindert, dass bei dem Treffen über die Gräueltaten des Regimes von Präsident Baschar al-Assad berichtet wurde. Die Hauptschuld trage die irakische Regierung, die den Gipfel organisiert habe.

Assad will den Friedensplan des UN-Sondergesandten Kofi Annan nur dann umsetzen, wenn die Aufständischen entwaffnet werden. In einer Botschaft an die Teilnehmer des Gipfels der Brics-Staaten, hieß es an die Adresse Annans: „Er muss sich darauf konzentrieren, den terroristischen Sumpf trockenzulegen.“ Dafür müsse Annan von den anderen Konfliktparteien die Zusicherung erhalten, dass sie ihre „terroristischen Operationen“ beendeten. Außerdem müsse die Unterstützung mit Geld und Waffen durch bestimmte Staaten – gemeint sind Saudi-Arabien und Katar – aufhören, erklärte Assad. Mit Blick auf die Türkei sagte er, es gebe Nachbarländer, die „terroristische Aktivitäten gegen Syrien erleichtern“. Annan hatte einen Plan vorgelegt, der ein Ende der Gewalt, Zugang für humanitäre Hilfe und einen Dialog vorsieht. Die syrische Führung hatte den Plan diese Woche „trotz einiger Vorbehalte“ akzeptiert. Die Opposition hatte erklärt, sie glaube nicht an die Versprechungen des Regimes und lehne einen Dialog mit Assad ab. Die Gruppe der Brics-Staaten besteht aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Sie hatte am Donnerstag erklärt, sie sei gegen eine Intervention in Syrien.

Am Freitag ist US-Außenministerin Hillary Clinton in Saudi-Arabien eingetroffen. In Riad hieß es, Clinton wolle sich vor der für Sonntag in Istanbul geplanten Konferenz der Syrien-Kontaktgruppe mit König Abdullah und Außenminister Prinz Saud al-Faisal abstimmen. Sowohl Clinton als auch dem saudischen Königshaus gehe es vor allem darum, das Blutvergießen zu beenden. Der saudische Außenminister hatte vor zweieinhalb Wochen zur Bewaffnung der syrischen Regimegegner aufgerufen.