Streit um Sex-Erziehung für Kinder

Österreichs Unterrichtsministerium konfrontiert sechs- bis zwölfjährige Schüler mit Homo- und Bisexualität. Von Stephan Baier

Erstellt vom Verein SELBSTLAUT in Wien im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Foto: SELBSTLAUT
Erstellt vom Verein SELBSTLAUT in Wien im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Foto: SELBSTLAUT

Wien (DT) Eine Aufklärungsbroschüre des österreichischen Unterrichtsministeriums sorgt seit Tagen für Aufregung. Eine spontan gebildete Elterninitiative hat in der vom Verein „Selbstlaut“ erstellten, vom Ministerium gebilligten und verbreiteten Materialiensammlung, die sich an Kinder im Volksschulalter richtet, sachliche Fehler und ideologische Indoktrination festgestellt.

So kritisiert die Broschüre „Ganz schön intim: Sexualerziehung für 6–12-Jährige“ einen „künstlich geschaffenen Rahmen der angenommenen Zweigeschlechtlichkeit“ und formuliert wörtlich: „Trotz vieler Bearbeitungen von Schulbüchern und sonstigen Medien, die auf die Diversitäten der Lebensformen von jungen Menschen reagieren, hält sich das Bild der klassischen Mutter-Vater-Kind-Familie als anzustrebendes Ideal hartnäckig, ungeachtet der Tatsache, dass knapp die Hälfte aller Kinder in Österreich in anderen Verhältnissen leben.“ Tatsächlich leben in Österreich jedoch 75 Prozent aller Minderjährigen bei ihren leiblichen Eltern. Während Treue hier keine Rolle spielt, konfrontiert die Broschüre die Kinder ausführlich mit homosexuellen Empfindungen: „Manche Menschen verlieben sich nur in Männer, manche nur in Frauen. Manche Menschen können sich in Frauen und Männer verlieben.“ Ausführlich erklärt werden Leihmutterschaft, Samenkauf und Insemination alleinstehender Frauen, obwohl diese in Österreich verboten sind.

Eltern wurden ignoriert, Elternrechte missachtet

Die Initiatorin des Elternprotestes, Gudrun Kugler von Kairos-Consulting, spricht von „ideologischen Randmeinungen“ und „Gesellschaftspolitik auf dem Rücken der Volksschüler“. Sie konnte am Dienstag ihre Kritik im Ministerium vortragen. Dort sagte man ihr zu, juristische Fehler bei der Darstellung von Leihmutterschaft und Samenkauf auszubessern, so Kugler im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie verweist zugleich darauf, dass bereits die Verwendung der Broschüre ohne Befragung der Eltern einen Rechtsbruch darstellt: „Die Eltern von Volksschülern können nicht nur, sondern müssen laut geltendem Recht bei der schulischen Sexualaufklärung einbezogen werden und die Unterlagen vorab bekommen.“ Eine Formulierung aus der Broschüre selbst lässt allerdings vermuten, dass hier Elternrechte bewusst missachtet werden: „Es geht nicht darum, die Erlaubnis der Eltern einzuholen und auch nicht darum, erzieherische Konzepte und Ideologien gegeneinander zu stellen oder gar auszuspielen.“ Empfohlen wird lediglich „ein Elternabend begleitend zur Sexualerziehung in der Klasse“.

Der Direktor des kirchlichen „Instituts für Ehe und Familie“ (IEF), Günter Danhel, kritisiert, dass homo-, trans- und intersexuelle Lebensformen gleichwertig mit der Familie dargestellt werden. Danhel fordert, die Verbreitung des Heftes zu stoppen und unter Einbeziehung der Eltern eine neue Broschüre zu erstellen. Die Wiener Juristin Stephanie Merckens von der am Bundeskanzleramt angesiedelten Bioethikkommission kritisiert, dass hier Kinder „mit Halbinformationen indoktriniert und Minderheitenprogramme, die zum überwiegenden Teil in Österreich verboten sind, zur Norm erhoben“ werden. Protestiert haben auch der Katholische Familienverband, der ÖVP-nahe Familienbund und die Lebensrechtsbewegung „Jugend für das Leben“. Die ÖVP sieht die „Kernfamilie diskreditiert“.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) erklärte sich nach Anfragen aus ÖVP, FPÖ und BZÖ zwar bereit, Einzelheiten zu überarbeiten, will jedoch an den Grundsätzen des Unterrichtsbehelfs festhalten.