Streit um „Amoris laetitia“

Präsident der griechischen Bischofskonferenz beschuldigt Kardinäle der Häresie – Polnischer Familienbischof verteidigt Brief an Papst

Synode - Amoris laetitia
Zwischen manchen Bischöfen geht es derzeit nicht so harmonisch zu wie hier während der Abschlussmesse der Familiensynode 2015. Foto: KNA
Synode - Amoris laetitia
Zwischen manchen Bischöfen geht es derzeit nicht so harmonisch zu wie hier während der Abschlussmesse der Familiensynode... Foto: KNA

Rom/Athen/Warschau (DT/KNA) Der Vorsitzende der katholischen Griechischen Bischofskonferenz wirft den vier Kardinälen, die von Papst Franziskus mehr Klarheit über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen fordern, Häresie vor. Aus ihrem Schreiben an den Papst gehe klar hervor, dass sie dessen oberste Lehrautorität de facto nicht anerkennten, heißt es in einem offenen Brief von Bischof Fragkiskos Papamanolis, den das Internetportal „Vatican Insider“ am Dienstag veröffentlichte. Zudem missachteten die Kardinäle das Ergebnis der zwei Bischofssynoden zu Ehe und Familie. Noch schwerwiegender sei jedoch der Skandal, den sie durch die Veröffentlichung ihres Briefes vor dem „gesamten christlichen Volk in aller Welt“ hervorgerufen hätten, so der emeritierte Bistumsleiter.

Zu den vier Kardinälen, die in der vergangenen Woche ihre Anfrage an den Papst publik gemacht hatten, gehören auch der frühere Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner und der deutsche Kardinal Walter Brandmüller. Weitere Unterzeichner sind der US-amerikanische Kardinal Leo Raymond Burke sowie der frühere Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra. Sie fordern vom Papst unter anderem eine Klärung, ob eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen nach seinem Schreiben „Amoris laetitia“ nun in Ausnahmefällen möglich sei. Die Veröffentlichung begründeten sie damit, dass Franziskus entschieden habe, ihnen nicht zu antworten und sie die weitere Debatte über dieses Thema fördern wollten. Papamanolis wirft den vier Unterzeichnern des Briefs einen Missbrauch ihres Kardinalstitels vor. Vor der Veröffentlichung des Dokuments hätten sie den Papst um ihre Entlassung aus dem Kardinalskollegium ersuchen sollen, so der griechische Bischof.

Die Kardinäle täten so, als inspiriere der Heilige Geist nur sie und nicht den Stellvertreter Christi auf Erden sowie zwei Bischofssynoden zu Ehe und Familie. Papamanolis hatte 2014 und 2015 an beiden Bischofssynoden zu Ehe und Familie teilgenommen. Weiter schreibt der griechische Bischof, die vier Kardinäle äußerten ihre tiefe Sorge um das Seelenheil der Gläubigen. Er hingegen sei zutiefst um ihr eigenes Seelenheil besorgt.

Unterstützung erfahren die vier Kardinäle derweil aus Polen. Bischof Jan Watroba, der Vorsitzende des Rats für die Familie der Polnischen Bischofskonferenz, glaubt, dass die Veröffentlichung des Briefes der vier Kardinäle an Papst Franziskus „nicht tadelnswert“ sei, sondern ein „Ausdruck der Entschlossenheit und Sorge über das richtige Verständnis der Lehre des Petrus“. Gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur Polens (KAI) betonte Watroba, dass er „sehr auf die Antwort, auf die Präzisierung“ warte, „umso mehr, da ich selbst mit solchen Fragen überhäuft werde, in ähnlicher Weise wie andere Bischöfe oder Seelsorger“. Ferner sagte Bischof Watroba: „Es ist schade, dass es keine allgemeine Auslegung und keine klare Botschaft des Dokuments gibt und man zu dem Apostolischen Schreiben Interpretationen hinzufügen muss. Ich persönlich – vielleicht aus Gewohnheit, aber auch aus tiefer Überzeugung – mag eine solche Auslegung lieber, wie sie Johannes Paul II. pflegte, bei der Kommentare oder Interpretationen zur Lehre Petri unnötig waren.“

Vergangene Woche hatte Neu-Kardinal Kevin J. Farrell, Präfekt des neugegründeten Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, Erzbischof Charles Chaput von Philadelphia für dessen Richtlinien zur Umsetzung von „Amoris laetitia“ angegriffen. Dass er diese nicht in Absprache mit der US-Bischofskonferenz erlassen habe, trage zur Spaltung bei, so Farrell. Bereits im Juli hatte Chaput für sein Erzbistum erklärt, dass sich zivil wiederverheiratete Geschiedene des Geschlechtsverkehrs enthalten müssten, um die Sakramente empfangen zu können. In einem Interview mit dem „Catholic News Service“ (CNS), dem Pressedienst der US-Bischöfe, sagte der Kardinal jetzt, dass er nicht die Sicht teile, die in Chaputs Richtlinien zum Ausdruck komme. „Die Kirche kann nicht reagieren, indem sie die Türen schließt, noch bevor wir auf die Umstände und die Menschen gehört haben.“ Chaput reagierte, indem er im Interview mit CNS die Frage stellte, ob Farrell die Richtlinien überhaupt gelesen und verstanden habe.