Straßburg forciert Sexualerziehung in Schule

Unter dem Codewort „sexuelle und reproduktive Gesundheit“ wird neuerlich ein „Recht“ auf Abtreibung propagiert. Von Stephan Baier

Straßburg (DT) Für eine „auf Empfindlichkeiten Rücksicht nehmende, altersgerechte und wissenschaftlich fundierte Sexualerziehung“ plädiert ein Bericht der portugiesischen Sozialistin Liliana Rodrigues, der am kommenden Dienstag im Europäischen Parlament in Straßburg zur Abstimmung stehen wird. Eine solche Sexualerziehung solle dazu beitragen, „weiter gefasste Prioritäten in der öffentlichen Gesundheitspolitik umzusetzen, wie die Reduzierung der Zahl ungeplanter Schwangerschaften“.

Die EU-Mitgliedstaaten sollten – so sieht es der im zuständigen „Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter“ bereits mit großer Mehrheit gebilligte Berichtsentwurf vor – aufgefordert werden, „in Erwägung zu ziehen, die Teilnahme an einer altersgerechten Sexualerziehung im Rahmen ihrer Lehrpläne für alle Schüler der Primar- und Sekundarstufe obligatorisch zu machen“. Diese Forderung würde die Sexualerziehung in der gesamten Schulzeit, also ab der Einschulung (üblicherweise im sechsten Lebensjahr) verpflichtend machen. Kritiker des Berichts sehen darin eine Verletzung des Erziehungsrechts der Eltern, wie es unter anderem die UN-Resolution zum Schutz der Menschenrechte vorsieht.

Sexualerziehung müsse darauf abzielen, „die Stellung von Mädchen über die Förderung des Bewusstseins für ihren eigenen Körper und der Kontrolle über ihn zu stärken“, heißt es weiter in dem Bericht, der eigentlich der „Stärkung von Mädchen durch Bildung“ gewidmet ist. Im Rahmen von „umfassenden Sexualerziehungsprogrammen“ sollten Mädchen und Jungen darüber aufgeklärt werden, „dass Beziehungen auf Einverständnis, Respekt und Gegenseitigkeit beruhen müssen“. Vermittelt werden sollen auch die Rechte von Frauen und Mädchen, zu denen der Bericht ausdrücklich auch „die Rechte, die die sexuelle und reproduktive Gesundheit betreffen“, zählt. Diese Formel steht in staatlichen und europäischen Dokumenten gewöhnlich für die Forderung nach legaler Abtreibungsmöglichkeit.

Auch sexuelle Orientierung soll thematisiert werden

Die EU-Kommission wird in dem Rodrigues-Text, der am Montagabend in Straßburg debattiert und am Dienstagmittag verabschiedet werden soll, aufgefordert, „Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität in Bildungseinrichtungen zu bekämpfen“. Überdies solle die Kommission „die Aufnahme objektiver Informationen zu LGBTI-Themen in die Lehrpläne fördern“ sowie gegen Mobbing und die „Belästigung Homosexueller und Transsexueller“ vorgehen. Das Kürzel LGBTI steht für die Lobbygruppen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen.

Die EU-Mitgliedstaaten sollten „dem negativen Einfluss stereotyper Geschlechterrollen entgegenwirken“, fordert die portugiesische Europaabgeordnete Rodrigues. Laut ihrem Bericht müssen nicht nur geschlechtsspezifische Gewalt, Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und Belästigung, sondern ausdrücklich auch „Homophobie und Transphobie in allen ihren Formen, einschließlich Cyber-Mobbing und Belästigung im Internet, angegangen und bekämpft werden“.