„Starkes Zeichen der Solidarität“

Große ökumenische Zustimmung für Papstbesuch auf Lesbos – Polens Bischöfe rufen zu Hilfe für Flüchtlinge auf

Beim gemeinsamen Gebet für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge: Papst Franziskus mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios aus Istanbul und dem orthodoxen Erzbischof Hieronymos von Athen. Foto: Osservatore Romano
Beim gemeinsamen Gebet für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge: Papst Franziskus mit dem Ökumenischen Patriarchen ... Foto: Osservatore Romano

Hamburg (om/KAP/KNA/dpa) Der Solidaritätsbesuch von Papst Franziskus auf Lesbos ist auf ein positives Echo gestoßen. Gegenüber dieser Zeitung betonte der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Hamburgs Erzbischof Stefan Heße, am Montag, dass der Besuch von Papst Franziskus auf der Insel Lesbos ein starkes Zeichen der Solidarität gewesen sei. „Mit dem Besuch hat der Papst die internationale Staatengemeinschaft an das Schicksal der Flüchtlinge erinnert, das uns nicht gleichgültig sein darf“, so der Erzbischof. „Papst Franziskus hat Lesbos mit dem Oberhaupt der Griechisch-Orthodoxen Kirche besucht. Dieses Zeichen der Ökumene finde ich besonders wichtig, denn Flüchtlingsarbeit ist eine ökumenische Aufgabe. Die bewegenden Zeichen und starken Worte von Papst Franziskus sollen Ermutigung und Ansporn für uns alle sein.“ Erzbischof Heße zitierte aus der gemeinsamen Erklärung von Papst Franziskus, dem Ökumenischen Patriarchen von Kostantinopel Bartholomaios I. und Hieronymos, dem Erzbischof von Athen und ganz Griechenland: „Die Tragödie erzwungener Migration und Vertreibung betrifft Millionen von Menschen und ist eine Krise der Menschheit, die zu einer Antwort der Solidarität, des Mitgefühls, der Großherzigkeit und zu einem unverzüglichen praktischen Einsatz der Ressourcen aufruft.“ „Wir dürfen unsere Augen vor der unfassbaren Not der Menschen nicht verschließen“, so Heße.

Der Präsident des Deutschen Caritasverbands, Prälat Peter Neher, betonte gegenüber dieser Zeitung am Montag, dass es ein eindrückliches Zeichen des Einsatzes für Menschen in Not und der Nächstenliebe sei, das der Papst mit seinem Besuch, aber auch mit der Aufnahme von muslimischen Flüchtlingsfamilien in den Vatikan gesetzt habe. „Für alle, die sich auf vielfältige Weise in der Caritas für die Hilfe, Integration von Flüchtlingen und für eine humane Flüchtlingspolitik engagieren, ist dies eine wichtige Ermutigung und Stärkung in der täglichen Arbeit“, so Neher.

Zustimmend äußerte sich auch der Metropolit der griechisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Metropolit Augoustinos. Gegenüber der „Tagespost“ erklärte er am Montag: „Der Besuch von Papst Franziskus in Begleitung des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios und des Erzbischofs von Athen Hieronymos auf Lesbos hat eine universale Bedeutung für die aktuelle Flüchtlingskrise. Wir hoffen sehr, dass er zu einer möglichst schnellen, christlichen Lösung dieser Krise beitragen wird. Nur so kann die nach unserer Auffassung galoppierende humanitäre Katastrophe mit ihren unvorhersehbaren Konsequenzen für Europa verhindert werden.“

Auch der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, lobte den Einsatz des katholischen Kirchenoberhaupts für Flüchtlinge. Er sehe darin einen Appell „für die Wahrnehmung der Verantwortung Europas und nicht nur Europas gegenüber den Menschen, die vor Terror und Krieg fliehen“. Zugleich machte sich der bayerische Landesbischof ausdrücklich die gemeinsame Erklärung des Papstes mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dem orthodoxen Athener Erzbischof Hieronymos II. zu eigen: „Jeder Satz dieser Erklärung spricht mir aus dem Herzen.“ Bedford-Strohm wird am Donnerstag von Papst Franziskus in Rom empfangenwerden.

Der Papst hat mit seinem Flüchtlingsbesuch nach Worten von Sant'-Egidio-Gründer Andrea Riccardi der europäischen Politik einen Weg gewiesen. Er habe sich gegen das zweifelhafte Spiel einer Politik gewandt, die aus Angst vor Populismus und Stimmverlusten blockiert sei und Flüchtlinge bei anderen abzuladen versuche, schreibt er in einem Beitrag für den „Corriere della Sera“ (Sonntag) unter Verweis auf die geplanten österreichischen Grenzsperrungen am Brenner. Zugleich habe sich Franziskus gegen eine Ablehnung muslimischer Migranten gewandt, zu der es in einigen osteuropäischen Staaten komme. Die zwölf Syrer, die er in seinem Flugzeug nach Rom mitgenommen habe, seien allesamt Muslime, hob Riccardi hervor. Die 1968 von Andrea Riccardi in Rom als Laienbewegung von Schülern und Studenten gegründete katholischen Basisgemeinschaft Sant'Egidio, die im Vatikan großen Einfluss hat, wird sich zunächst um die Betreuung der drei syrischen Familien kümmern.

Der Zentralverband Orientalischer Christen in Deutschland machte sich gegenüber der „Tagespost“ am Montag die verschiedentlich an der Papstgeste geäußerte Kritik nicht zu eigen. „Der Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland begrüßt die Geste von Papst Franziskus, angesichts der Not zu handeln. Seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, unabhängig von Ethnie und Glauben, ist das oberste Gebot für Christen gegenüber den Menschen“, so die Organisation. Positiv war der Besuch des Papstes und seine Entscheidung, Flüchtlinge mitzunehmen, auch von einem Vertreter der Vereinten Nationen aufgenommen worden. Die Geste, ein Dutzend Flüchtlinge aus Syrien von Griechenland mit nach Rom zu nehmen, sei eine starke Demonstration der Solidarität, sagte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, am Samstagabend in Genf. „In einer Welt, die auf die Rekordzahl von Vertriebenen viel zu oft mit Sperren, Zurückweisung und Furcht reagiert, muss sie Regierungen und Gesellschaften zum Nachdenken bringen“, sagte Grandi.

Polens katholische Bischöfe haben derweil zur Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen. Sie sollten angesichts der Flüchtlingskrise in Europa im Geist des Evangeliums mit Offenheit behandelt und ihre Würde respektiert werden, heißt es in der am Wochenende veröffentlichten Abschlusserklärung der Vollversammlung der Bischofskonferenz. Mehr auf Seiten 2 bis 6