Spanien erneut Gastgeber

Abschied von Australien: Benedikt XVI. trifft vor Abreise Missbrauchsopfer – XXIV. Weltjugendtag 2011 in Madrid

Sydney/Darwin (reg/KNA) Papst Benedikt XVI. hat seine neuntägige Australien-Reise beendet und den Rückflug nach Rom angetreten. Kurz vor seiner Abreise traf er sich mit einer Gruppe von Missbrauchsopfern. Zwei Männer und zwei Frauen hätten an der Frühmesse des Papstes im Cathedral House in Sydney teilgenommen, teilte ein Vatikansprecher mit. Im Anschluss habe Benedikt XVI. mit jedem Einzelnen gesprochen und ihnen seine Verbundenheit bekundet. Die Betroffenen hätten den Papst gebeten, Familienfotos und Rosenkränze zu segnen. Die Begegnung habe „in einem Klima des Respekts, der Spiritualität und großer Bewegung“ stattgefunden, so der Sprecher.

Bei der offiziellen Verabschiedung auf dem Flughafen von Sydney richtete Benedikt XVI. Dankesworte an die Spitzen von Staat und Kirche in Australien. Sie hätten möglich gemacht, dass Jugendliche aus vielen Ländern und Kulturen Freundschaft geschlossen und ihre Liebe zu Gott und der Kirche vertieft hätten. Auch für ihn sei diese Woche ein herrliche und einzigartige Erfahrung gewesen, so der Papst. Ministerpräsident Kevin Rudd sagte: „In diesen Tagen sind Sie praktisch einer von uns geworden.“ Es war die neunte und bislang längste Auslandsreise von Benedikt XVI.

Australien hat im Zuge des Papstbesuchs seine Vatikan-Botschaft aufgewertet. Das Land werde künftig beim Heiligen Stuhl mit einem eigenen, ständig in Rom residierenden Botschafter vertreten sein, bestätigte Vatikansprecher Federico Lombardi am Montag während des Rückflugs von Sydney nach Rom. Bei der Verabschiedung am Flughafen stellte Premierminister Kevin Rudd dem Papst Tim Fisher als ersten ständig und ausschließlich in Rom ansässigen Vatikan-Botschafter seines Landes vor. In der Vorgängerregierung unter John Howard war Fisher stellvertretender Premierminister. Bisher nahm der australische Botschafter in Irland zugleich die Interessen seines Landes beim Heiligen Stuhl wahr.

Der XXIV. Weltjugendtag findet 2011 in Madrid statt. Benedikt XVI. hatte die Entscheidung am Sonntag nach der Abschlussmesse in Sydney bekanntgegeben. In der Madrider Almudena-Kathedrale, in der zahllose Jugendliche in der Nacht zum Sonntag die Feierlichkeiten in Sydney live auf Leinwänden verfolgten, brach bei der Bekanntgabe Jubel aus. Spanien wird zum zweiten Mal Gastgeberland des Weltjugendtags – ein Privileg, das bisher nur Italien innehat. Der Vorsitzende der Spanischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Madrid, Antonio Kardinal Rouco Varela, sprach von einem „großen Geschenk Gottes für die Kirche in Spanien“. Man werde sich ab sofort um eine möglichst gute Organisation bemühen. Am Weltjugendtag in Sydney hatten insgesamt siebzehn Bischöfe und gut fünftausend Jugendliche aus Spanien teilgenommen. Rouco Varela war 1989 als Erzbischof der Pilgermetropole Santiago de Compostela bereits Gastgeber des ersten Weltjugendtags auf der iberischen Halbinsel. Nach Angaben von „Europa Press“ soll der Weltjugendtag in der dritten Augustwoche 2011 stattfinden, Rouco Varela, der mit „mindestens einer, möglicherweise auch zwei Millionen Teilnehmern“ rechne, hoffe, dass die spanische Regierung „Handlungsspielraum“ gewähre. Die Beziehungen zwischen Kirche und Staat seien derzeit „normal“.

Die spanischen Medien werteten die Entscheidung als Anerkennung und Hilfestellung für die Katholiken vor Ort mitten in einer laizistisch geprägten politischen Phase. Die wertkonservative Zeitung „ABC“ würdigte auch die australischen Gastgeber: Sydney habe „hohe Maßstäbe gesetzt“.