So eine Sauerei

Schweinegrippe erhöht Lebenserwartung – Bauernverbandspräsident alarmiert

Von Markus reder

„Die Würde des Schweins ist unantastbar“, sang einst Reinhard Mey. Das Lied hätte es zur internationalen Vegetarier-Hymne bringen können, ist aber mit der Zeit irgendwie in Vergessenheit geraten. Als Mey von der „Würde des Schweins“ sang, konnte niemand ahnen, dass es Jahre später eine Schweinegrippe geben würde, die nicht nur für globale Panikanfälle sorgt, sondern das Image des Schweins derart nachhaltig belasten würde. Deshalb haben die Schweine Glück (Glücksschweine!), dass sie nicht nur Barden wie Reinhard Mey auf ihrer Seite haben, sondern auch Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner. Meys moralischer Appell hatte den Schweinen ja ohnehin nicht wirklich geholfen.

Aber worum geht es? Der wortmächtige Bauernführer akzeptiert die Bezeichnung Schweinegrippe nicht. In der „Passauer Neuen Presse“ hat er die Öffentlichkeit aufgefordert, die Schweinegrippe ab sofort als „mexikanische Grippe“ zu bezeichnen. Damit wäre die Schweinegrippe sozusagen gestoppt, würde aber als „mexikanische Grippe“ unvermindert weiter ihr Unwesen treiben. Das macht die Infektionskrankheit nicht ungefährlicher, würde aber den Schweinen gerechter. Die Rede von der Schweinegrippe ist nämlich eine Sauerei. Es handele sich um die Mutation eines Virus aus der Tierwelt, das nur bei Menschen vorkomme, so Sonnleitner. Wegen der Wortwahl „Schweinegrippe“ fragten die Leute schon, ob sie noch Schweinefleisch essen können. „Aber das hat damit gar nichts zu tun“, wettert der Bauernpräsident. Nun darf man sich fragen, was wohl Mexikos Tourismusverband von der „mexikanischen Grippe“ hält. Aber den wird Sonnleitner kaum gefragt haben. Genauso wenig wie die Schweine selbst. Die pfeifen nämlich auf solche Image-Korrekturen, erhöht doch just die Schweinegrippe ihre Lebenserwartung. Schwein gehabt.