„Situation ist alarmierend“

Das Symposium der „Demo für alle“ konnte nur unter Polizeischutz stattfinden. Von Sebastian Sasse

Symposium  „Demo für alle“: Massive Polizeipräsenz, zahlreiche Gegendemonstranten
Massive Polizeipräsenz, zahlreiche Gegendemonstranten: Das Symposium der „Demo für alle“ fand unter besonderen Bedingungen statt. Die Teilnehmer zeigten sich von den Behinderungen nicht beeindruckt. Foto: DfA

Schatz, wo bist du?“ Kurz bevor Jörg Benedict, Professor für Privatrecht, Rechtsgeschichte und -philosophie an der Universität Rostock, am vergangenen Samstag seinen Vortrag beim Symposium der „Demo für alle“ über juristische Fragen der sogenannten Homo-„Ehe“ beginnen wollte (siehe Interview), erhielt er eine SMS seiner besorgten Frau. Sie hatte im Internet einen Beitrag gelesen, in dem Gegner der Veranstaltung angekündigt hatten, sie wollten den Versammlungsort in der Nähe von Frankfurt zum „zweiten Stalingrad“ machen. Benedicts Reaktion: „Das ist irre.“ Solche Widerstände ist die Initiative gewöhnt. Regelmäßig rückt das Bündnis, das für Elternrechte, für Ehe und Familie und gegen die Gender-Ideologie und die Sexualisierung von Kindern eintritt, in das Fadenkreuz linksextremer Organisationen.

So war die Adresse des Veranstaltungsortes auch erst kurz vor Beginn den rund 500 Teilnehmern mitgeteilt worden aus Sicherheitsgründen. Trotzdem hatten sich Gegendemonstranten eingefunden, die die Besucher mit teilweise obszönen Gesten und Parolen beschimpften. Dank eines massiven Polizeiaufgebotes kam es zu keinen weiteren Ausschreitungen. Hedwig von Beverfoerde, die Koordinatorin des Bündnisses, nannte die Umstände „eine alarmierende Situation“, betonte aber, dass man sich nicht unterkriegen lasse. Bereits 65 000 Postkarten sind verteilt worden, mit denen die bayerische Staatsregierung aufgefordert wird, das Bundesverfassungsgericht die Rechtmäßigkeit der Homo-„Ehe“ prüfen zu lassen. Diese öffentliche Schlagkraft scheint die Gegner zu beunruhigen: Parallel fand in der Frankfurter City eine Gegendemo mit 2500 Teilnehmern statt.

Die Tagung selbst widmete sich unbeeindruckt von den Störungen ihrem eigentlichen Thema. Die Publizistin Birgit Kelle unterstrich in ihrem Vortrag die Aufgabe, die Öffentlichkeit für die Folgen der Umdeutung der Ehe zu sensibilisieren: Diese sei nämlich nur der Anfang einer viel umfangreicheren Entwicklung. Sie verdeutlichte es an dem Beispiel der Debatte um Leihmutterschaft: Hier biete sich die Chance, neue Mitstreiter zu gewinnen. Denn auch viele Feministinnen, Alice Schwarzer etwa, sähen die körperliche Ausbeutung der Leihmütter kritisch.