Sieg im Farbenkrieg gegen Libyen

Doch ansonsten gehen der italienischen Außenpolitik die Themen aus

Von Guido Horst

Je später der Sommer, desto schöner die Gäste. Das mag sich auch Muammar al-Gaddafi gedacht haben, als zum vierzigsten Jahrestag seiner Machtergreifung nicht nur afrikanische Staatschefs, sondern auch Italiens „Frecce Tricolori“ und Regierungschef Silvio Berlusconi in Tripolis einflogen.

Der Stiefelstaat, der mit Libyen vor genau einem Jahr einen Freundschaftsvertrag abgeschlossen und noch Schulden der Vergangenheit abzuarbeiten hat, wollte dem Diktator zum Freudenfest das Wertvollste schenken, was die Republik zu bieten hat: die drei Landesfarben Rot, Weiß und Grün, die die Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe hinter sich versprüht. Doch da, wo Berlusconi derzeit hinlangt, geht immer etwas schief. Und so kam es auch mit Gaddafi zu einer außenpolitischen Kollision.

Der libysche Staatschef verlangte, dass die „Frecce Tricolori“ nur das Grün, die Farbe des Propheten, hinten rauslassen sollten. Die Staffel protestierte und beharrte auf Rot, Weiß und Grün – worauf der Gastgeber die für Montag geplanten Probeflüge absagen ließ. Nach Krisensitzungen, Interventionen des Weltsicherheitsrats und diplomatischen Kapriolen dann ein vollständiger Sieg der italienischen Außenpolitik: Am Dienstag schaute Gaddafi in den Himmel – und sah keine Sterne, sondern die gewohnten rot-weiß-grünen Farbstreifen hinter den Düsentriebwerken der „Frecce Tricolori“.

Die einstige Kolonialmacht Italien hatte sich durchgesetzt. Warum erzählen wir das? Weil das andere Land neben Libyen, mit dem Berlusconis Italien noch halbwegs enge Beziehungen unterhält, die Russische Föderation Wladimir Putins, zurzeit andere Sorgen hat. Der Sieg im Farbenkrieg mit Libyen war seit langem erstmals wieder ein außenpolitischer Erfolg Berlusconis. So ergeht es einem, der sich immer weiter isoliert.