Schritte zur Versöhnung

Die baskischen Bischöfe bitten um Verzeihung für „Komplizenschaft“ mit den ETA-Separatisten Von José Garcia

Die baskische Separatistenorganisation ETA (Euskadi Ta Askatasuna, baskisch für Baskenland und Freiheit) hat sich erstmals bei den Opfern ihrer Terroraktivitäten und deren Angehörigen entschuldigt. Seit den ersten Mordanschlägen im Jahre 1968 wurden bei ETA-Terrorakten 853 Menschen getötet und 6 389 verletzt. Dazu kommen 86 Entführungen und 3 600 weitere Anschläge. Die Entschuldigung geschieht im Vorfeld der für Anfang Mai angekündigten, endgültigen ETA-Auflösung. Zwar kann dies als gute Nachricht angesehen werden, der Wortlaut des Entschuldigungsschreibens legt jedoch nahe, dass ETA nur selektiv die Opfer bedauert. In dem Communiqué heißt es beispielsweise: „Aufgrund von Fehlern oder falschen Entscheidungen hat ETA Opfer gefordert, die am Konflikt nicht unmittelbar beteiligt waren.“

Wer eine unbedingte Bitte um Verzeihung erwartet hatte, wird bitter enttäuscht, ist etwa die Rede vom Leid, „das von den jeweils anderen erlitten wurde“. Die „Stiftung für die Opfer des Terrorismus“ nannte das ETA-Schreiben denn auch „zynisch“. Deren Vorsitzende Mari Mar Blanco erklärte im Interview mit dem spanischen Fernsehen: „ETA betont, es habe ein Konflikt zwischen feindlich sich gegenüberstehenden Gruppen stattgefunden. In Wirklichkeit hat es jedoch lediglich Opfer und Henker gegeben.“

In einer Sechs-Punkte-Erklärung nahmen der Erzbischof von Pamplona-Tudela, sein Weihbischof sowie vier weitere Bischöfe (aus Bilbao, San Sebastián, Vitoria und Bayonne im französischen Baskenland) zum ETA-Schreiben Stellung: „Wir schätzen das Positive an der ,Erklärung zum zugefügten Leiden‘ der Terrorbande ETA nach 60 Jahren Tod und Leid.“ Nach einer Solidaritätsbekundung „mit allen Opfern und deren Angehörigen, insbesondere mit jenen, deren Attentate noch nicht aufgeklärt werden konnten, weil sie die zusätzliche Pein der Straflosigkeit erleiden“, bitten auch sie für „die Komplizenschaft, Unentschiedenheit und für die Unterlassungen unter uns“ um Verzeihung. „Als Nachfolger Jesu von Nazareth sind wir uns bewusst, dass wir in einer Haltung ständiger Bekehrung leben müssen, indem wir der Wahrheit demütig dienen und die Menschen aufnehmen, die einen neuen Weg gehen wollen.“

Zwar erinnerte Bischof Mario Iceta von Bilbao bereits im März 2017 in einem Interview: „In mehreren Bänden sind die Briefe und Schreiben gesammelt worden, die in den harten Jahrzehnten des Terrorismus und der Gewalt von den Bischöfen aus dem Baskenland und Navarra verfasst wurden. Darin kommt eine unzweideutige und kategorische Verurteilung des Terrors sowie eine eindeutige Unterstützung der Opfer und deren Angehörigen zum Ausdruck.“ Frühere Bischöfe haben allerdings den ETA-Terror keineswegs eindeutig verurteilt. José María Setién, Bischof von San Sebastián von 1979 bis 2000, nahm an keiner Totenmesse für die ETA-Opfer teil. So verweigerte er etwa die Kathedrale für die Exequien des 1984 ermordeten sozialistischen Senators Enrique Casas. In einem 2007 veröffentlichten Buch nannte Setién die ETA-Terroristen „Revolutionäre“. Er sprach in diesem Zusammenhang ebenfalls von „politischen Gefangenen“.

Insofern ist zu begrüßen, dass die jetzigen baskischen Bischöfe für Versöhnung eintreten. In ihrer Erklärung ergänzen sie: „Über das von der Gewalt zugefügte, große und lange Leid hat unser Volk einen unermesslichen geistigen und gesellschaftlichen Schaden erlitten, der von den totalitären und gottlosen Ideologien zugefügt wurde, von denen sich der Terrorismus nährte.“ Deshalb brauche die Gesellschaft eine Versöhnung, zu der die Kirche beitragen möchte. In der Erklärung heißt es: „Die wahre Versöhnung ist nur durch echte Reue und aufrichtige Bitte um Verzeihung möglich. Darüber hinaus muss es eine wirkliche Bereitschaft geben, möglichst den Schaden wiedergutzumachen.“