Schlammspritzer auf die weiße Soutane

Für den früheren italienischen Senatspräsidenten Marcello Pera steht hinter kampagneartiger Kirchenkritik der Kampf der Laizisten gegen das Christentum

Die Frage der pädophilen oder homosexuellen Priester, die zuletzt in Deutschland losgetreten wurde, zielt auf den Papst. Angesichts der Ungeheuerlichkeit dieses Vorhabens zu denken, der Schuss könne nicht ins Schwarze treffen, wäre ein schwerer Irrtum. Und ein noch schwerwiegenderer Irrtum wäre die Annahme, dass die Frage schließlich bald – wie so viele andere – vom Tisch wäre. Nein. Hier findet ein Kampf statt. Nicht unbedingt gegen die Person des Papstes, da dies auf diesem Gebiet kaum möglich wäre. Benedikt XVI. ist durch sein Ansehen, seine Ruhe, seine Klarheit, seine Bestimmtheit und seine Bildung unanfechtbar. Nein, der Kampf findet zwischen Laizismus und Christentum statt. Die Laizisten wissen genau: Wenn ein Schlammspritzer auf die weiße Soutane des Papstes gerät, wird die Kirche beschmutzt. Und wenn die Kirche beschmutzt wird, wird das Christentum beschmutzt. Daher garnieren die Laizisten ihre Kampagne mit Fragen wie: „Wer wird seine Kinder noch in die Kirche schicken?“ oder „Wer wird seine Kinder noch eine katholische Schule besuchen lassen?“ sowie „Wer wird seine Kinder noch in einem katholischen Krankenhaus oder einer katholischen Klinik behandeln lassen?“

„Die Mittel ändern sich, aber das Ziel bleibt das Gleiche: Heute wie damals will man die Zerstörung der Religion herbeiführen“

Vor einigen Tagen ist einer Laizistin die eigentliche Absicht herausgerutscht. Sie schrieb: „Das Ausmaß der Verbreitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester untergräbt die Legitimation der katholischen Kirche als Garant für die Erziehung der Kleinsten“. Es ist unbedeutend, dass dieses Urteil einen Beweis schuldig bleibt, weil das „Ausmaß der Verbreitung“ tunlichst verschwiegen wird: Ist ein Prozent der Priester pädophil? Zehn Prozent? Alle? Unbedeutend ist auch, dass das Urteil der Logik entbehrt: Man bräuchte nur „Priester“ durch „Lehrer“, „Politiker“ oder „Journalisten“ zu ersetzen, um die „Legitimation“ der öffentlichen Schulen, der Parlamente oder der Presse zu „untergraben“. Bedeutsam ist – auch angesichts der Ungenauigkeit des Arguments –, was damit suggeriert wird: Priester sind pädophil, folglich hat die Kirche keine moralische Autorität, folglich ist die katholische Erziehung gefährlich und folglich ist das Christentum ein Betrug und eine Gefahr.

„Die Zerstörung der Religion hatte damals die Zerstörung der Vernunft zur Folge. Heute würde sie nicht zu einem Triumph der laizistischen Vernunft führen, sondern zu einer weiteren Barbarei“

Es handelt sich um einen groß angelegten Kampf des Laizismus gegen das Christentum. Man muss bis zum Nationalsozialismus oder Kommunismus zurückgehen, um etwas Ähnliches zu finden. Die Mittel ändern sich, aber das Ziel bleibt das Gleiche: Heute wie damals will man die Zerstörung der Religion herbeiführen. Damals hat Europa diese Zerstörungswut mit seiner Freiheit bezahlt. Es ist unglaublich, dass vor allem Deutschland, das sich aufgrund dieses hohen Preises, den Europa zu zahlen hatte, beständig an die Brust schlägt, heute, da es ein demokratisches Land ist, vergisst und nicht begreift, dass die Demokratie selbst verloren wäre, wenn das Christentum nochmals ausradiert würde.

Die Zerstörung der Religion hatte damals die Zerstörung der Vernunft zur Folge. Heute würde sie nicht zu einem Triumph der laizistischen Vernunft führen, sondern zu einer weiteren Barbarei. Und auf der ethischen Ebene zur Barbarei derer, die einen Fötus töten, weil sein Leben der „psychischen Gesundheit“ der Mutter schadet. Derer, die sagen, ein Embryo sei ein „Zellklumpen“, der sich gut für Experimente eigne. Derer, die einen alten Menschen töten, weil er keine Familie mehr hat, die sich um ihn kümmert. Derer, die das Ende des eigenen Kindes schneller herbeiführen wollen, weil es kein Bewusstsein mehr hat und nicht geheilt werden kann. Derer, die denken, dass „Elternteil A“ und „Elternteil B“ dasselbe sind wie „Vater“ und „Mutter“. Derer, die meinen, der Glaube sei dem Steißbein vergleichbar, einem Körperteil, das nicht mehr an der Entwicklung teilhat, weil der Mensch keine Schwanzwirbel mehr braucht und von alleine stehen kann. Und so weiter.

Wenn man die politische Seite des Kampfes der Laizisten gegen das Christentum betrachtet, würde deren Sieg zu einer Barbarei führen, die mit der Zerstörung Europas enden würde. Denn nach der Niederwerfung des Christentums wird der Multikulturalismus übrig bleiben, der meint, jede Gruppe habe das Recht auf ihre eigene Kultur. Es blieben der Relativismus, der denkt, eine Kultur sei so gut wie die andere, und der Pazifismus, der die Existenz des Bösen leugnet. Oder es bleibt jener rhetorische und unverantwortliche „Europäismus“ übrig, der erklärt, Europa solle keine eigene besondere Identität haben, sondern alle Identitäten beinhalten. Außer man ändert seine Meinung und geht zur Kathedrale von Straßburg, um zu sagen: „Jetzt brauchen wir eine christliche Seele Europas“.

Dieser Kampf gegen das Christentum wäre nicht so gefährlich, wenn die Christen ihn verstünden. Stattdessen tragen viele von ihnen zum Unverständnis bei. Es handelt sich um jene Theologen, die über die intellektuelle Überlegenheit Benedikts XVI. frustriert sind. Um jene unsicheren Bischöfe, die meinen, einen Kompromiss mit der Moderne zu finden, sei die beste Art und Weise, für ein „Aggiornamento“ der christlichen Botschaft zu sorgen. Um jene Kardinäle in einer Glaubenskrise, die darauf hinweisen, der Zölibat der Priester sei kein Dogma und man solle ihn vielleicht besser überdenken. Um jene verkappten katholischen Intellektuellen, die denken, es gebe eine Frauenfrage in der Kirche und zwischen Christentum und Sexualität bestehe ein ungelöstes Problem. Um jene Bischofskonferenzen, die sich in der Tagesordnung vergreifen und – während sie die Politik offener Grenzen für alle wünschen – nicht den Mut haben, die Angriffe anzuklagen, die gegen Christen geführt werden, sowie die Demütigung, die alle erleiden müssen, wenn sie unterschiedslos auf die Anklagebank geführt werden. Oder um jene Kanzler aus dem Osten, die einen tollen homosexuellen Außenminister vorführen, während sie den Papst bei jedem ethischen Thema angreifen, oder jene aus dem Westen, die denken, der Westen müsse laizistisch, also antichristlich sein.

„Der Kampf der Laizisten wird weitergehen, und wenn nur aus dem Grunde, weil er durch einen Papst wie Benedikt Nahrung erhält“

Der Kampf der Laizisten wird weitergehen, und wenn nur aus dem Grunde, weil er durch einen Papst wie Benedikt XVI. Nahrung erhält, der lächelt, aber keinen Millimeter zurückweicht. Doch wer versteht, warum er nicht nachgibt, der stellt sich der Situation und wartet nicht auf den nächsten Schlag. Wer sich nur darauf beschränkt, sich mit ihm solidarisch zu erklären, ist entweder jemand, der sich nachts im Verborgenen nach Getsemani geschlichen hat, oder jemand, der nicht versteht, warum er da ist.