Saarbrücken

Saarland nimmt Assyrer nicht auf

Das Saarland hat Anfang der Woche die Aufnahme von 400 christlichen Assyrern aus Syrien abgelehnt.

Tobias Hans
Auf ihn setzten die Assyrer ihre Hofnung: Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Foto: dpa

Das Saarland hat Anfang der Woche die Aufnahme von 400 christlichen Assyrern aus Syrien abgelehnt. Der Assyrische Kulturverein Saarlouis hatte die Landesregierung gebeten, die Christen in das Bundesland einreisen zu lassen. Sie würden in Syrien massiv bedroht, erklärte der Vorsitzende, Charli Kanoun, gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Die Christen seien 2015 von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) aus ihren Dörfern vertrieben und teilweise verschleppt worden. Nach der militärischen Niederlage des IS seien sie dorthin zurückgekehrt. Dort würden radikale Muslime jetzt ihre Felder abbrennen und griffen ihre Häuser mit Brandsätzen an. Im Saarland lebten bereits rund 500 christliche Assyrer, die gut integriert seien. Sie seien bereit, sich um die Neuankömmlinge zu kümmern und einen großen Teil von ihnen in Privathäusern zu beherbergen. Die Sprecherin der Landesregierung, Anne Funk, erklärte dagegen gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“, die Aufnahme von 400 zusätzlichen Flüchtlingen im Saarland sei nicht möglich. Allein die voraussichtlichen Kosten für ihre Versorgung von rund vier Millionen Euro pro Jahr überstiegen die begrenzten Möglichkeiten des kleinen Bundeslandes. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) habe stattdessen in einem Schreiben an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vorgeschlagen, die 400 Christen auf alle Bundesländer zu verteilen. Nach dem üblichen Verteilschlüssel könne das Saarland dann bis zu fünf von ihnen aufnehmen. Der Assyrische Kulturverein bezeichnete die Entscheidung der Landesregierung in einer Stellungnahme als „zynisch, menschenverachtend und feige“. Seit 2015 seien 100 Flüchtlinge insgesamt ins Saarland gekommen. „Hier geht es um 400 akut bedrohte Christen, und die Regierung wirft uns eine Beruhigungspille hin“, so der Kulturverein. Die Assyrer sind Mitglieder der Chaldäisch-Katholischen, der Syrisch-Katholischen und der Syrisch-Orthodoxen Kirche sowie der Assyrischen Kirche des Ostens.

DT/idea