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Robert Mugabe: Der hofierte Diktator

Wenige Staatschefs hielten sich so lange an der Macht wie Robert Mugabe. Sein Tod erinnert nicht nur an eine beeindruckende Karriere, sondern auch an viele Fragwürdigkeiten im Umgang mit dem Diktator.

Robert Mugabe
Robert Mugabe, damaliger Präsident von Simbabwe, im November 2017. Foto: Ben Curtis (AP)

Robert Mugabe zeigte sich machtbewusst bis ins hohe Alter: Ungeachtet einer schweren Hungerkrise in Simbabwe feierte der Präsident seinen 92. Geburtstag mit einer luxuriösen Massenparty. Sechs Tage nach seinem Geburtstag am 21. Februar lud Mugabe 50.000 Gäste in die historische Ruinenstadt Great Zimbabwe. Nach Angaben staatlicher Medien kostet die Feier mehr als 700.000 Euro.

"Sein Beitrag zur Geschichte
unseres Landes und unseres Kontinents
wird niemals vergessen werden."
Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa
über seinen Vorgänger Robert Mugabe

Fast 30 Jahre lang regierte Mugabe das südafrikanische Land − zuletzt zunehmend autoritär. Am Freitag, 6. September, starb Mugabe im Alter von 95 Jahren in Singapur. Dort hatte er sich mehrmals medizinisch behandeln lassen. Sein Nachfolger Emmerson Mnangagwa erklärte auf Twitter, Mugabe sei eine „Ikone der Freiheit“ gewesen, der sein Leben dem Kampf für die Unabhängigkeit gewidmet habe. „Sein Beitrag zur Geschichte unseres Landes und unseres Kontinents wird niemals vergessen werden“, fügte Mnangagwa hinzu.

Als Held empfangen

Mugabes politischer Weg hatte als Freiheitskämpfer begonnen. Im Unabhängigkeitskrieg gegen die weiße Minderheitsregierung führte er die Rebellenarmee aus dem Exil. Als er 1980 nach Simbabwe zurückkehrte, wurde er als Held empfangen. Mugabe, seit der Unabhängigkeit seines Landes 1980 ununterbrochen an der Macht, wurde damals auch im Westen hofiert, von der britischen Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen und mit Ehrendoktorwürden ausgezeichnet. Dass simbabwische Soldaten auf Befehl Mugabes schon in den 80er Jahren Anhänger seines Erzrivalen Josuah Nkomo massakrierten, interessierte damals kaum. Erst seit im Jahr 2000 Milizen mit Billigung Mugabes die Ländereien weißer Großgrundbesitzer besetzten, die bis dahin die Landwirtschaft in Simbabwe kontrolliert hatten, galt der greise Staatschef im Westen als Diktator.

Mugabes Machtposition war lange ungefährdet, die Nachfolge-Frage tabu. Trotz seines Alters weigerte sich der greise Staatschef, einen Nachfolger zu benennen. Die Nachfolgefrage wurde ihm schließlich zum Verhängnis: Mugabe hatte den damaligen Vizepräsidenten Mnangagwa entlassen. Die Armee begehrte dagegen auf. Auch die Präsidentschaftsambitionen von Mugabes 41 Jahre jüngerer Gattin Grace lehnte das Militär strikt ab. In der Regierungspartei ZANU-PF hatte die als prunksüchtig geltende Ex-Sekretärin des Staatschefs ebenfalls viele Gegner. Wachsende Unzufriedenheit führte zu großen Straßendemonstrationen. Im November 2017 wurde Mugabe schließlich vom Militär zum Rücktritt gezwungen. Er selbst machte westliche Sanktionen für die wirtschaftlichen Probleme Simbabwes verantwortlich.

Aus Europa verbannt, im Vatikan empfangen

Aufgrund zahlreicher Menschenrechtsverletzungen wurde über Mugabe ein Einreiseverbot in die EU verhängt. Dennoch reiste Mugabe mit einer großen Delegation zur Amtseinführung von Papst Franziskus in den Vatikan. Da der Vatikan ein eigenständiger Staat auf dem Boden der EU sei, habe in diesem Fall das EU-Einreisverbot keine Gültigkeit, hieß es. Es war nicht der erste Besuch Mugabes im Kirchenstaat. Zur Bestattung von Papst Johannes Paul II. und zu dessen Seligsprechung 2011 war er ebenfalls angereist. Kritik aus kirchlichen Kreisen in Simbabwe an der Politik seiner Regierung hatte Mugabe, der katholisch erzogen worden war, als „verräterisch“ bezeichnet.