Ratlose Wahlkämpfer

Eine Schockwelle nach der anderen läuft derzeit durch die Wall Street in New York. Betroffen sind nicht nur ein paar Broker, die sich unversehens auf der Straße sehen. Betroffen ist auch der kleine Mann Amerikas, dessen Steuergelder jetzt für die Hasardeursspiele der Finanzschickeria herhalten müssen. Ein Topthema, das den amerikanischen Wahlkampf in eine neue Phase eintreten lässt. Die Amerikaner horchen gespannt auf das, was John McCain und Barack Obama zu sagen haben. Doch was fällt denen ein? Nichts. Oder nicht viel.

Statt konkreter Vorschläge hauen sie sich ihre Wahlkampfschablonen um die Ohren. Die amerikanische Wirtschaft sei in ihren Fundamenten stark, beschwichtigt McCain. Es sei die größte Krise seit der Großen Depression in den Dreißigern, dramatisiert Obama. Obamas Steuererhöhungspläne (für Einkommen über 600 000 Dollar) wiesen ihn als Linken aus, bellt McCain. McCain wolle die Politik Bushs fortsetzen, die erst zu dem Schlamassel geführt habe, kontert Obama.

Wirklichen politischen Vorteil kann zurzeit keiner von beiden aus der Krise ziehen. Am ehesten ungelegen kommt sie McCain. Mit der Georgienkrise und der Nominierung von Sarah Palin hatte er erstmals die Führung im Medienecho übernommen und zog auch in den Umfragen an seinem Kontrahenten Obama vorüber. Zwar schreiben die Amerikaner den Republikanern traditionell die höhere Wirtschaftskompetenz zu. Nun aber ist es fraglich, ob McCain dieser Bonus nach der Krise, den Bush-Jahren und seinem grundsätzlichen Bekenntnis zur Deregulierung der Märkte noch zugute kommt. Auf dem Parkett der Wirtschaft sind weder Obama noch McCain wirklich zu Hause. Wer wohl früher zu Boden geht, um den Finanzmärkten Gesellschaft zu leisten? om