Presse: Stärkung statt Perestroika

Zum zweiten Jahrestag des Pontifikats von Papst Franziskus schreibt die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“:

Franziskus wurde bereits mit Gorbatschow und der Perestroika verglichen, die im Ausland sehr beliebt waren, innerhalb der UdSSR jedoch kaum. Bergoglio ist aber beim katholischen Volk sehr beliebt. Und im Gegensatz zum sowjetischen Staatsoberhaupt ist er sich der Schwachheit der Kirche vollkommen bewusst – er widmet sich ihr durch die Predigt, weckt pastorale und geistliche Kräfte und setzt Reflexions- und Wandlungsprozesse in Gang. So gewinnt die Kirche wieder an Stärke.

Blutige Legende

Der „Irish Catholic“ (Dublin) kritisiert einen Vergleich des Erzbischofs von New York von „Islamischem Staat“ und IRA:

Kardinal Dolans Vergleich ist unhaltbar: Die IRA hat nie behauptet, von irgendeiner Auslegung des Katholizismus inspiriert zu sein, während der „Islamische Staat“ den Anspruch erhebt, im Namen des Islam zu handeln (auch wenn die meisten Muslime dem widersprechen). Die IRA suchte keine Zuflucht im Katholizismus, sondern viele ihrer Anhänger waren der Kirche feindlich gesinnt, weil mutige Kirchenführer sich weigerten, die Gewalt der IRA als Antwort auf die Gewalt der britischen Sicherheitskräfte zu billigen. Dolans verzerrte Version der jüngeren irischen Geschichte könnte einfach als naiv abgetan werden, aber sie hängt leider allen Katholiken eine gefährliche blutige Legende an.

Christentum und Islam nicht austauschbar

Der „Catholic Herald“ (London) zu einem Anglikaner, der seine Kirche Muslimen für Gottesdienste zur Verfügung stellt:

Das islamische Konzept von Gott und der Offenbarung ist radikal anders als das katholische, ebenso wie unsere und ihre Tradition, unsere und ihre Kultur. Der Pfarrer scheint auch das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens, das Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit, vergessen zu haben: ein Geheimnis, das alle Aspekte des Glaubens und des Lebens durchdringt – oder zumindest durchdringen sollte. Christen, die seine Auffassungen von der Nähe islamischer und christlicher Traditionen teilen, wissen nichts über den Islam – ja, sie scheinen erschreckenderweise auch nichts über ihre eigene christliche Tradition zu wissen.

Fremdenfeindlichkeit ist Sünde

Die südafrikanische Zeitung „The Southern Cross“ erhebt Vorwürfe aufgrund fremdenfeindlicher Ausschreitungen im Land:

Xenophobie darf in der Kirche und in der Gesellschaft nicht geduldet werden. Sie ist ein widerwärtiger Fanatismus. Das gilt besonders für Südafrika, das immer noch unter einem bitteren Erbe an Vorurteilen, Ungleichheit und Hass leidet. Es ist traurig, dass einige Südafrikaner die Sünde blinder Vorurteile – die Gottes Willen ebenso wenig entspricht wie der staatlichen Verfassung – nicht nur nicht ablehnen, sondern sie sogar wiederholen. Gegen wen wird der Mob sich wenden, wenn alle Ausländer vertrieben sind? Welch schreckliche Heuchelei in unserem Land, in dem viele Verantwortungsträger einst selbst Fremde in einem fremden Land waren.