Presse: Fortschritt auf Kosten der Menschlichkeit

In Seoul ruft „The Korea Times“ angesichts des verheerenden Fährunglücks zum sozialen Umdenken auf:

Schock, Trauer und Verwirrung verwandeln sich in Wut, während immer deutlicher wird, was geschehen ist. Den Emotionen liegt das beunruhigende Gefühl zugrunde, dass Korea von einem schon lange vorhandenen Problem eingeholt worden ist. Lange war es Koreas ganzer Stolz, sich kopfüber für den Fortschritt einzusetzen. Dabei hat die koreanische Tendenz, im Hinblick auf die Erlangung größerer Ziele einige Kleinigkeiten zu „übersehen“, ganze Arbeit geleistet. Der Fortschritt hat einen hohen sozialen Preis gefordert: Leben, Menschlichkeit, Liebe und gegenseitige Achtung.

Die Welt blickt auf Merkel

Die US-Tageszeitung „The Washington Post“ schreibt zur Unterredung von Merkel und Obama im Hinblick auf die Ukraine:

Russland hat die Souveränität, die Ordnung und den Frieden in Europa verletzt, und Angela Merkel, das einflussreichste europäische Staatsoberhaupt, setzt jetzt ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Ukrainer in Kiew, Odessa, Lemberg und Donezk werden aufmerksam beobachten, ob sie ihren Worten gerecht wird – ebenso wie die gesamte übrige Welt.

Ausschreitungen beim Fußball

Anlässlich der Ausschreitungen beim Pokalspiel ruft die römische Tageszeitung „Il Tempo“ die Autoritäten zum Handeln auf:

Schluss mit der Verwüstung der Städte durch die Profis des Terrors! Schluss mit Böllern, Schlagstöcken, Messern und jetzt sogar Pistolen! Schluss mit fliehenden Bürgern, fluchenden Ladeninhabern, Familien, die gezwungen sind, zu Hause zu bleiben! Seit Monaten klagt unsere Zeitung die Gewalttaten an, veröffentlicht Namen und Fotos, erhält Drohungen. Muss es erst einen Toten geben, damit ihr endlich aufwacht? Was am Samstag wegen eines Fußballspiels passiert ist, ist eurer nicht würdig. Wenn der schwerverletzte Fußballfan stirbt, dann ist es eure Schuld.

Freiheit und Demokratie in Ägypten

Die koptische Sonntagszeitung „Watani“ ruft den Westen auf, sich hinter die Bevölkerung Ägyptens zu stellen:

Nach dem 11. September sagte Präsident Bush, die Vereinigten Staaten hätten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre strategischen Interessen mit despotischen Regimen im Nahen Osten verbunden, zum Schaden der dortigen Bevölkerung; dieser Fehler müsse korrigiert werden im Hinblick auf das Wohl der Menschen, die ihre Hoffnungen auf Freiheit und Demokratie erfüllt sehen wollen. Leider haben die Vereinigten Staaten dies nicht getan, sondern haben ihre Interessen in Einklang gebracht mit islamistischen Gruppierungen, vor allem der Muslimbruderschaft in Ägypten. Der Arabische Frühling wurde zum Alptraum. Aber ein Wunder versetzte die ganze Welt in Staunen: Ägypten hat rebelliert, und der amerikanische Plan wurde vom starken Willen der Ägypter durchkreuzt. Die anderen Staaten, in denen der Arabische Frühling vom politischen Islam vereinnahmt wurde, werden denselben Weg gehen.