Presse: Eiserne Faust braucht ausgestreckte Hand

Die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ kommentiert die Lage in Ägypten:

Der harte Schlag gegen die Muslimbruderschaft ist erfolgt. Was hat al-Sisi jetzt vor? Wenn sich neben der eisernen Faust nicht die ausgestreckte Hand befindet, dann wird sich die Radikalisierung der Muslimbrüder fortsetzen, und anstelle von Stabilität wird es immer wieder bürgerkriegsartige Ausbrüche geben. Radikalislamistische Gruppierungen werden an Boden gewinnen, ohne dass die demokratischen Kräfte gestärkt werden. Und das Martyrium der Kopten wird weitergehen.

Nicht über zerstörte Kirchen weinen

Die koptische Sonntagszeitung „Watani“ fordert Christen und Muslime auf, sich für ein demokratisches Ägypten einzusetzen:

Vor allem die Kopten haben einen hohen Preis bezahlt im Krieg gegen den Terror. Aber jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um über verbrannte oder zerstörte Kirchen zu weinen. Wir wissen, dass die Kopten aufgrund ihrer patriotischen Haltung angegriffen wurden, weil sie Seite an Seite mit ihren muslimischen Landsleuten Ägypten verteidigt und es aus der Hand der Islamisten gerettet haben. Das Wichtigste für uns ist jetzt, dass die Bande, die im Kampf gegen die Muslimbrüder und für ein ägyptisches Ägypten zwischen Christen und Muslimen geknüpft und gestärkt wurden, erhalten bleiben. Jetzt müssen wir diese Einheit erhalten und uns auf den Sieg der Nation, auf ihre Verfassung, ihr Parlament, ihren Präsidenten ausrichten. Den Kopten sage ich: Sorgt euch nicht um Ägyptens Kirchen – Muslime und Christen werden sie gemeinsam wieder aufbauen.

USA darf kein Zwei-Klassen-Staat werden

Die jesuitische Wochenzeitung „America Magazine“ drängt auf eine menschenwürdige Lösung bei illegaler Einwanderung:

Drei Viertel der nicht registrierten Einwanderer in den Vereinigten Staaten leben hier seit über einem Jahrzehnt. Sie zahlen Steuern, dürfen aber nicht wählen oder den Führerschein machen. Sie leben in Angst vor Deportation. Einige Politiker wollen die Einwanderer legalisieren, ohne Staatsbürgerschaft. So würde jedoch eine Bevölkerungsgruppe zweiter Klasse entstehen, die zur Gesellschaft beiträgt, aber nur wenig Schutz erhält. Senator McCain sagte, „ohne den Schutz der Staatsbürgerschaft“ würden die Einwanderer „ausgebeutet und schlecht behandelt werden. Das ist nicht, was Amerika sein soll.“ Das ist das Mitgefühl, von dem Papst Franziskus in Lampedusa sprach.

Friede zwischen Menschen – nicht Staaten

Die katholische Wochenzeitung „The Tablet“ (London) mahnt zum Realismus in den Nahost-Friedensgesprächen:

Diplomatische Lösungen internationaler Konflikte können nicht funktionieren, wenn sie auf beiden Seiten ein brennendes Gefühl der Ungerechtigkeit hinterlassen. Der Friede, den sie anstreben, ist nicht nur der Friede zwischen staatsrechtlichen Autoritäten, sondern zwischen Menschen. Die Glaubwürdigkeit der Gespräche hängt nicht nur von den Erfolgsaussichten ab, sondern von dem Realismus, den beide Seiten mit an den Verhandlungstisch bringen.