Presse: Eine der ältesten Töchter der Kirche

Ein Jahr nach der Ermordung des Priesters Jacques Hamel fragt „Le Figaro“ (Paris), wie Frankreich als christliches Land der Gewalt begegnen soll:

Nach der Gedenkfeier stehen die Christen vor der Frage: Was für ein Christentum wollen sie? Eines, das den Frieden verkündet, wo kein Frieden ist? Oder eines, das gebietet, „die Waffen Gottes zu ergreifen, um in finsterer Zeit Widerstand zu leisten“? Also mit den einzigen Waffen, die wirklich wirksam sind – den geistlichen Waffen – jene todbringende Ideologie zu zerstören, die sich in vielerlei Formen entwickelt, oft verborgen unter einer kulturellen Maske der Gewaltlosigkeit – in unserem Land, das doch eine der ältesten Töchter der Kirche ist.

Unvergängliche Liebe Gottes

Zum Tod des kleinen Charlie Gard ruft der Mailänder „Avvenire“ in Erinnerung, dass unser Leben in Gottes Händen liegt:

Charlie Gards irdischer Weg und sein Kampf sind beendet, aber er lebt weiter. Er wurde von einer heimtückischen Krankheit getötet, und weder die Wissenschaft noch das Gesetz konnten – oder wollten – ihm helfen. Jetzt liegt das Leben dieses Kindes in den Händen des Vaters, der uns mit der „unvergänglichen Liebe“ einer Mutter liebt, wie Johannes Paul I. uns gelehrt hat. Die Mutter und der Vater des kleinen Charlie, den die ganze Welt mittlerweile als eigenes Kind betrachtet, bezeugen dies uns mit Würde und Leiden, mit Treue ohne Erbitterung. Wir, die wir uns als Christen und zivilisierte Menschen bezeichnen, sollten das nie vergessen, auch nicht im Schmerz und in der Fassungslosigkeit.

Lektion des Anglikanismus

Der „Catholic Herald“ (London) mahnt die katholische Kirche vor Spaltungen durch Liberalisierung:

Auch wir Katholiken stehen vor der Gefahr der Spaltung und der Kapitulation vor der vorherrschenden Kultur. Möge das Schicksal des modernen Anglikanismus denen in Rom, die von der Liberalisierung versucht sind, eine deutliche Lektion sein. Denn die Erfahrung der letzten Jahre lehrt, dass Rechtgläubigkeit die Christen durch die gemeinsame Verkündigung der Wahrheit vereint, während Liberalismus sie durch Unklarheit, weltliche Agendas und Rebellion spaltet.

Die Kehrseite der Vielfalt

Dem US-amerikanischen „Crisis Magazine“ zufolge führt Multikulturalismus letztlich zu Schwarz-Weiß-Denken:

Vielfalt hat eine oft kaum bemerkte Kehrseite. Eine stärkere Betonung der Vielfalt hat in Amerika nicht wie erwartet zu größerer Meinungsvielfalt geführt, sondern zu größerer Uniformität. Fast alle Universitäten haben Verhaltensnormen zu Vielfalt eingeführt und haben Koordinierungsstellen für Vielfalt. Aber diese Maßnahmen zur Förderung der Vielfalt haben in Wirklichkeit dazu geführt, das Denken und die Ausdrucksformen darauf zu reduzieren, was offiziell genehmigt ist. Jeder, der einmal die Universität besucht hat, weiß, dass es viel mehr Redefreiheit in einem Taxi oder einen Friseursalon gibt als in jedem Vorlesungssaal. In letzter Instanz führt Multikulturalismus zu Monokulturalismus und letztlich zum Schwarz-Weiß-Denken.