Berlin

Poträt der Woche: Annegret Kramp- Karrenbauer

Man könnte sie als weghörende Zuhörerin bezeichnen: Von Strategie ist bei Annegret Kramp-Karrenbauer momentan nichts zu erkennen.

Annegret Kramp- Karrenbauer: ohne Strategie
Wie oft kommt sie noch in den Supermarkt in Völklingen? AKK hat den Kontakt zur Basis verloren. Foto: dpa

Berlin ist nicht Saarbrücken. Annegret Kramp-Karrenbauer mag es geahnt haben. Seit den letzten Wochen weiß sie es. Zuhause war sie die Landesmutter, in der Hauptstadt wollen ihr Journalisten, politische Gegner, vor allem aber auch Parteifreunde ein anderes Etikett an die Stirn pappen: „Sie kann es nicht“, steht drauf. Warum gerät sie ins Straucheln? Nach ihrer Wahl zur CDU-Generalsekretärin strahlte sie Selbstsicherheit aus. Sie setzte auf ihre Talente: Bodenständigkeit, eine sympathische Ausstrahlung und die Fähigkeit, zuhören zu können.

Ihre "Zuhör-Tour" durch die Kreisverbände hatte Folgen

Gerade diese letzte Eigenschaft kultivierte sie fast bis zur Selbstkarikatur. Aber tatsächlich: Ihre „Zuhör-Tour“ durch die Kreisverbände hatte Folgen. Das spürten vor allem die konservativen Merkel-Kritiker. Die WerteUnion bekam auf dem Hamburger Parteitag einen Stand. Und Kramp-Karrenbauer traf sich auch mit deren Sprecher Alexander Mitsch zum Austausch. Dann lud AKK schließlich, jetzt schon als Vorsitzende, zum Kongress über Flüchtlingspolitik in die Parteizentrale, bei dem auch Kritik am Kanzlerinnen-Kurs geübt werden durfte.

"Warum nun die überzogene Kritik
an Hans-Georg Maaßen?
Wo ist ihr Ohr an der Basis?"

Und jetzt? Warum nun die überzogene Kritik an Hans-Georg Maaßen, der immerhin in Ostdeutschland erfolgreich Wahlkampf für die CDU macht? Wo ist jetzt ihr Ohr an der Basis? Dann könnte sie hören, dass ziemlich viele ihrer Parteifreunde über Maaßens Einsatz dort froh sind.

Die Wende setzte nach der Europawahl ein

Die Wende setzte bei AKK nach der Europawahl ein. Ihr Umfeld deutete nämlich das Ergebnis so: Die AfD wurde nicht so stark wie befürchtet. Die Gewinner sind die Grünen. Ergo: Vor allem diese Wähler müssen für die Union gewonnen werden. Nicht selbst politische Stimmungen prägen zu wollen, sondern auf den Zeitgeist zu schielen, dieses Rezept ist nicht neu. Angela Merkel kocht schon seit fast 14 Jahren danach. Der Unterschied: Die Kanzlerin verkauft das als Strategie, ihre Berater haben sich dafür einen hochtrabenden Begriff ausgedacht: „Asymmetrische Wählerdemobilisierung“. Diesen Ansatz kann man aus vielen Gründen ablehnen, aber das muss festgestellt werden: Dieser Linie bleibt Merkel treu. Ganz anders AKK: Sie fährt einen Schlingerkurs.

Angekommen in der Berliner Blase

Von Strategie ist bei ihr nichts zu erkennen. Dabei würden viele Christdemokraten ihr gerne dabei zuhören, wenn sie erläutert, wie sie sich die programmatische Entwicklung der Partei vorstellt. Doch AKKs Ohr scheint nun nicht mehr bei der Basis zu sein. Sie hört bei den Beratern des Adenauer-Hauses hin, aber weg, wenn sie die Stimmung vor Ort wahrnehmen könnte. AKK ist in der Berliner Blase angekommen. Wie oft kommt sie noch in den Supermarkt in Völklingen?