Positive Reaktionen auf Vatikanerklärung

Gemeinsame Leitsätze von Rom und Schiiten – Einheit von Glaube und Vernunft betont – Religiös motivierte Gewalt verurteilt

Rom/Würzburg (om) Die vom Vatikan am Donnerstag zusammen mit einer Delegation schiitischer Theologen veröffentlichten Leitsätze zum Verhältnis von Glaube und Vernunft haben am Freitag eine überwiegend positive Resonanz gefunden. Der in englischer Sprache publizierte Text ist das Ergebnis des sechsten Treffens des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog in Rom und dem Zentrum für Interreligiösen Dialog der Organisation Islamischer Kultur und Beziehungen in Teheran, das vom 28. bis 30. April in Rom stattfand.

Die kirchenpolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Ingrid Fischbach, sagte gegenüber dieser Zeitung: „Ich begrüße diesen Text sehr. Die Quintessenz ist die Übereinstimmung von Glaube und Vernunft. Zwar sind die Schiiten nur eine kleine Minderheit in Deutschland. Aber ich hoffe trotzdem, dass das Signalwirkung hat für die Integrationsbemühungen in unserem Land.“ Ähnlich äußerte sich auch der kirchenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Hans-Michael Goldmann: „Ich freue mich über die friedensstiftende Botschaft der Toleranz und des gegenseitigen Respekts. Ich wünsche mir jedoch, dass die christlich-muslimische Verständigung gelebt wird, indem die Rechte der Christen, insbesondere im Iran, gewahrt werden.“

Auch der Islamexperte Adel Theodor Khoury, der von Papst Benedikt XVI. in seiner Regensburger Rede zitiert worden war, bekundete im Gespräch mit der „Tagespost“ seine Zustimmung. „Das ist ein bemerkenswerter Text. Für mich stellt sich aber nach wie vor die Frage, wie man Vernunft und die während der kriegerischen Ausbreitung entstandenen Teile des Koran vermitteln kann. Denn gerade auf diese Texte berufen sich ja die Islamisten. Die Erklärung weist mit der Forderung nach einer adäquaten hermeneutischen Methode einen Weg. Gelänge es, ihn zu gehen, wäre etwas wirklich Bedeutendes geschafft.“

Für den Zentralrat der Muslime in Deutschland nahm Generalsekretär Aiman Mazyek gegenüber dieser Zeitung Stellung: „Wir begrüßen diese Erklärung. Sie erinnert uns, Christen und Muslime, daran, in der eigentlichen Aufgabe, für Frieden und Gerechtigkeit zu sorgen, nicht nachzulassen. Gerade weil es auch in Deutschland Tendenzen gibt, das Gespräch zu stören, ist es ein gutes Signal. In der Erklärung kommen unserer Meinung nach aber die praktischen Aspekte ein wenig zu kurz.“

In der Erklärung wird betont, dass Glaube und Vernunft Geschenke Gottes an die Menschheit seien. Sie widersprächen sich deshalb nicht. Weiter seien Glaube und Vernunft in sich nicht gewalttätig. Dass es dennoch immer wieder zu Missbrauch gekommen sei, stelle beide nicht in Frage. Beide Seiten kamen auch darin überein, wahre Religiosität zu fördern, um die Achtung vor heiligen Symbolen und moralischen Werten zu fördern. Christen und Muslime sollten Gott bei allen Unterschieden für die Gemeinsamkeiten dankbar sein. Sie seien zu gegenseitigem Respekt berufen und verurteilten deshalb die Verspottung des religiösen Glaubens. Die Unterzeichner warnten vor verallgemeinernden Urteilen im interreligiösen Gespräch. Die konfessionellen Unterschiede innerhalb des Islam wie des Christentums sowie die Verschiedenheit historischer Kontexte seien wichtige Faktoren. Weiter könnten religiöse Traditionen nicht auf der Basis eines einzelnen Verses der jeweiligen heiligen Bücher beurteilt werden. Wörtlich heißt es: „Sowohl eine Gesamtschau als auch eine adäquate hermeneutische Methode sind notwendig für ihr faires Verständnis.“ (Siehe Seiten 2 und 6)