Portrait der Woche: Tilman Kuban

Tilman Kuban

In der Jungen Union haben die „Kubaner“ die Macht übernommen. Doch kein Grund, dass in Havanna jetzt die Rum-Flaschen geköpft werden; die Anhänger des 33-jährigen neuen JU-Vorsitzenden sind nämlich keine heimlichen Verehrer Fidel Castros. Eher genau das Gegenteil: Friedrich Merz solle endlich Bundesminister werden, lautete eine der ersten Stellungnahmen von Tilman Kuban nach seiner Wahl am vergangenen Wochenende. Dass die Anhänger sich direkt nach ihrem Frontmann benennen, ist aufschlussreich – so etwas erleben gemeinhin eher ältere Staatsmänner am Ende ihrer Laufbahn, man denke an die Gaullisten. Allerdings liegt es hier auch weniger an inhaltlicher Originalität.

DER RUSTIKALE

Gegenkandidat Stefan Gruhner stand genauso wie Kuban für die Linie, die seit der Ära Mißfelder das Programm der größten politischen Jugendorganisation Europas prägt: Liberal in der Wirtschafts-, konservativ in der Innen- und Außenpolitik. Der Unterschied liegt im Tonfall. Gruhner gab sich moderater. Kuban lieferte den Delegierten rustikale Rhetorik. Der 33-Jährige, der nicht nur in seiner Statur dem jungen FJS ähnelt, teilte gegen den politische Gegner aus, er scheute sich aber auch nicht vor klaren Worten gegenüber der Mutterpartei. Dass die JU nicht zu Muttis Lieblingen gehört, ist nichts Neues. Auf den Deutschland-Tagen ballte sich schon immer die Kritik am Merkel-Kurs. Kuban etwa hatte bereits 2015 die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin angegriffen. Aber auch gegenüber Annegret Kramp-Karrenbauer – obwohl sie Kubans Vorgänger Paul Ziemiak zum Generalsekretär berufen hat – wollen die jungen Christdemokraten nicht auf Schmusekurs gehen. Die Wahl Kubans unterstreicht, dass die JU sich als Speerspitze im Kampf gegen eine weitere Sozialdemokratisierung der Union versteht. Und in dieser Funktion sieht sie sich als programmatischen Motor.

Kuban bringt die Voraussetzungen mit, die JU so zu führen, dass sie diesem selbst gestellten Anspruch auch gerecht werden kann. Anders als etwa bei den Jusos, wo dem Typus Kevin Kühnert – kein Studienabschluss, dafür radikale Rhetorik – die Herzen zu fliegen, ist es unter JUlern kein Manko, berufliche Erfolge vorzuweisen und machtpolitischen Ehrgeiz zu zeigen. Beides kann Kuban: Der Jurist leitet die Rechtsabteilung der Unternehmerverbände Niedersachsen. Auf der Liste zur Europawahl ist er gut positioniert, so dass Kuban gute Chancen hat, im Mai in das Brüsseler Parlament einzuziehen. Spannend wird werden, ob „kubanische“ Rhetorik Schule macht. Das Parteileben der Union kann so nur fideler werden.