Portrait der Woche: Ronnie Floyd

Ronnie Floyd

Die „Southern Baptist Convention“ hat einen neuen Leiter: Mit reichlich Pathos und ausschweifendem Lob für die Arbeit seiner Kirche kündigte Ronnie Floyd jüngst an, dass er bereit sei, das Exekutivkomitee der größten baptistischen Gruppierung der USA zu führen. 13 Minuten dauert das Video, in dem sich der 63-Jährige an die Mitglieder der Megakirche „Cross Church“ wendet – deren Pastor Floyd bislang war – und „eine neue Berufung“ in seinem Leben verkündet. Seine künftigen Aufgaben fasst der gebürtige Texaner darin selbst zusammen: „Ich will die Vision fördern, Christus in die Welt hinauszutragen.“

DER PREDIGER

Eine große Bühne ist ihm nun jedenfalls bereitet, um dem selbst gesetzten Ziel der Evangelisierung nachzukommen. Die Southern Baptist Convention, kurz SBC, hat über 15 Millionen Mitglieder. Sie stellt auch die größte protestantische Konfession in den USA. Von 2014 bis 2016 stand Floyd, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, ihr bereits als Präsident vor. Doch es kann sich auch sehen lassen, wie viele Menschen der Prediger mit Doktortitel bisher bereits erreichen konnte: In den mehr als drei Jahrzehnten, in denen Floyd als Pastor tätig war, taufte die „Cross Church“ im Nordwesten des Bundesstaates Arkansas mehr als 18 000 Menschen. Mit nur einer Gegenstimme wurde Ronnie Floyd in Dallas zum Vorsitzenden des Exekutivkomitees gewählt – das zeugt von der Popularität des Geistlichen, der bereits mehr als ein Dutzend Bücher verfasst hat. Eine Popularität, die er auch seiner umfassenden Präsenz in Medien und Internet zu verdanken hat. Regelmäßig veröffentlicht er einen Podcast, predigt im TV, twittert, postet auf Instagram. Dass Floyd so aktiv und vielseitig Werbung für seine Kirche macht, ist allerdings auch nötig. Denn die SBC befindet sich seit Jahren in einer Krise. Wie auch die katholische Kirche sind die Southern Baptists von Missbrauchsskandalen gezeichnet, die Mitgliederzahl nimmt immer weiter ab. Gerade junge Menschen, die sich immer weniger von den Baptisten begeistern lassen, versucht Floyd durch seine Präsenz auf Social-Media-Kanälen zu erreichen. Landesweit bekannt wurde Floyd aber nicht nur durch seine TV-Auftritte, sondern auch dank Donald Trump; 2017 leitete er im Weißen Haus ein Gebet für den Präsidenten. Seitdem gilt er als „Trump-nah“ – ein Stempel, der Fluch und Segen gleichermaßen sein kann. Um sich nicht den Unwillen der 9 000 Mitglieder der „Cross Church“ einzuhandeln, versuchte er jedenfalls, sein Vorrücken an die Spitze der SBC gut zu begründen. Auch er könne das Gefühl des Verlusts nicht leugnen, so Floyd. Aber das Gefühl der Berufung sei einfach stärker gewesen.