Portrait der Woche: Bernd Lucke

Bernd Lucke

Bernd Lucke hat ein Buch geschrieben. Am vergangenen Montag hat der Vorsitzende der „Liberal-konservativen Reformer“ (LKR) und Europaabgeordnete es in Berlin vorgestellt. Die sehr gut besuchte Pressekonferenz zeigte: Der Wirtschaftsprofessor ruft immer noch öffentliches Interesse hervor. „Systemausfall“ heißt das Werk, Lucke versteht es als „Kampfansage“ an seine frühere Partei, die AfD. Die „Alternative für Deutschland“ hatte er 2013 mit gegründet und bis 2015 geleitet. Nun ist er der einzige Vertreter seiner Neugründung LKR im Europaparlament und hofft auf eine Wiederwahl:

DER SERIÖSE

„Die Faustregel ist, dass ein Prozentpunkt ein Mandat bedeutet. Aber wir hätten gern drei bis fünf Mandate.“ Falls der Wiedereinzug scheitert, will der Professor für Volkswirtschaftslehre wieder an die Universität Hamburg zurückkehren. Alexander Kissler vom Magazin „Cicero“, der die Pressekonferenz leitete, zitierte als zentrale Aussage aus dem Buch: „Bislang ist die EU noch nicht zusammengebrochen, zu unser aller Glück. Aber es hat einen schweren Systemausfall im Rahmen der Eurokrise gegeben und einen weiteren schweren Systemausfall im Rahmen der Flüchtlingskrise. In beiden Fällen hatte die EU zuvor eine nationalstaatliche Kompetenz übernommen und ist mit dieser Kompetenz wenig später in dramatischer Weise gescheitert.“ Lucke betonte, er lege nicht nur eine Problemanalyse vor, sondern auch Lösungsvorschläge. „Ich persönlich bin ein überzeugter Anhänger der europäischen Einigung“, hob Lucke hervor, „und trotz ihrer Mängel ein Befürworter der EU“. Kritik an der EU müsse immer auch lösungsorientiert sein: „Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit und ein brünstig vorgetragener Patriotismus bieten aber keine Lösungen.“ Das Buch sei ein „Gegenentwurf zu dem, was die heutige AfD liefert“ und zeige, dass man auch sachliche, seriöse und konstruktive EU-Kritik üben könne. „Der prognostizierte Erfolg der europäischen Rechten bei den Europawahlen im Mai“, erklärte Lucke, „wird Europa meines Erachtens nicht voranbringen, ganz im Gegenteil. Das Wahlbündnis Meuthen und Salvini, das wir in der letzten Woche gesehen haben, löst kein einziges Problem der Europäischen Union.“ Schließlich wurde Lucke gefragt, ob man als Christ die AfD wählen könne? Lucke: „Ich bin evangelischer Christ, Protestant. Für uns ist immer das Gewissen die entscheidende Instanz. Wir schreiben anderen Christen nicht vor, was gut und richtig ist.“ Jeder Christ müsse selbst eine Entscheidung treffen: „Ich habe das für mich getan, ich halte es nicht für vereinbar mit meinem christlichen Glauben.“