Berlin

Porträt der Woche: Peter Dabrock

Der evangelische Theologe Peter Dabrock kehrt dem Ethikrat turnusgemäß nach zwei Amtsperioden den Rücken. Die Spuren, die er hinterlässt, sind nicht klein.

Peter Dabrock im Porträt
Acht Jahre lang war Peter Dabrock Mitglied des Deutschen Ethikrates, vier davon als dessen Vorsitzender. Foto: Axel Schmidt (Reuters-Pool)

Acht Jahre lang war Peter Dabrock Mitglied des Deutschen Ethikrates, vier davon als dessen Vorsitzender. Nun kehrt der Ordinarius für Systematische Theologie der Universität Erlangen-Nürnberg dem Gremium, das Bundesregierung und Parlament in ethischen Fragen berät, den Rücken. Turnusgemäß, nach zwei Amtsperioden. Dass sich der evangelische Theologe auch weiterhin in ethischen Debatten öffentlich zu Wort melden wird, darf als sicher gelten. In den vergangenen Jahren mischte sich der 1964 in Epe, nahe der deutsch-niederländischen Grenze geborene Münsterländer immer wieder auch in Diskurse ein, zu denen der heterogen zusammengesetzte Ethikrat selbst keine Stellung bezog.

Er plädierte für die Beibehaltung von §219a

So plädierte der Protestant, der außer evangelischer Theologie auch katholische Theologie, Philosophie und Soziologie in Würzburg, Bonn und Bochum studierte, etwa für die Beibehaltung des Werbeverbots für Abtreibungen. Im Interview mit dieser Zeitung warf er Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor, dessen favorisierte Widerspruchsregelung laufe letztlich auf eine „Organspendepflicht“ hinaus. Bei der 2015 veröffentlichten Ethikrats-Stellungnahme „Hirntod und Entscheidung zur Organspende“ fand man Dabrock auf Seiten jener qualifizierten Minderheit, die die Gleichsetzung des Hirntods mit dem Tod des Menschen für unzulässig erachtet.

Eingriffe in die menschliche Keimbahn mit der CRISPR/Cas-Technologie, wie sie der Chinese He Jiankui 2018 an drei im Labor erzeugten Kindern vornahm, geißelte Dabrock, der etwa bei der künstlichen Befruchtung, der PID und Gentests auch Positionen vertritt, denen Katholiken mal gar nicht, mal nur schwer zustimmen können, früh als „unverantwortliche Menschenversuche“. Dem Bundesverfassungsgericht warf er vor, mit seinem Urteil zum § 217 StGB den assistierten Suizid „normalisiert“ und durch einen „völlig überhöhten Autonomiebegriff“ zu einem „Jedermannsrecht“ gemacht zu haben. Zuletzt stieß er eine Debatte über die Kriterien für eine Lockerung des Lockdowns an.

Der Nachfolger sollte große Füße mitbringen

Heute will der Deutsche Bundestag über die Nachbesetzung der ausscheidenden Mitglieder des Ethikrats entscheiden. Die – 26 an der Zahl – werden je zur Hälfte auf Vorschlag des Bundestags und der Bundesregierung für die Dauer von vier Jahren berufen. Eine Wiederberufung ist einmal möglich. Wann die konstituierende Sitzung stattfindet, auf dem das Gremium dann einen Nachfolger für den Wahlfranken wählt, ist noch offen. Große Füße sollte die oder der allerdings schon mitbringen. Denn klein sind die Spuren, die Dabrock hinterlässt, nicht.

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