Würzburg

Porträt der Woche: Mechthild Löhr

Mechthild Löhr ist nicht nur eine begnadete Netzwerkerin - in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche und Medien - , sondern auch eine Generalistin, wie es sie nur noch selten gibt.

CDL-Vorsitzende Mechthild Löhr
Die CDL-Vorsitzende Mechthild Löhr wurde am Wochenende von der Stiftung „Ja zum Leben“ geehrt. Foto: CDL

Es gibt Sätze, die einfach wahr sind. Einer lautet: „Niemand ist unersetzbar.“ Ein anderer: „Ausnahmen bestätigten die Regel“. In der deutschen Lebensrechtsszene hört die Ausnahme auf den Namen Mechthild Löhr. Niemand ist dort derart umfassend und gleichmäßig – in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche und Medien – vernetzt, wie die im Main-Taunus-Kreis lebende Personalberaterin.

Ihr Herz schlägt für die Ungeborenen

Doch Frau Löhr ist nicht nur eine begnadete Netzwerkerin, sondern auch eine Generalistin, wie es sie nur noch selten gibt. Nach dem Studium der Politikwissenschaft, der Philosophie und des Öffentlichen Rechts in Bonn und Freiburg wurde sie nach einigen Stationen in der Wirtschaft Leiterin des Landesamtes für Umweltaufklärung in Rheinland-Pfalz, bevor sie 1991 mit Löhr & Cie. ihre eigene Personal- und Unternehmensberatung gründete, in die später auch ihr Mann eintrat. Parallel dazu engagierte sie sich im Bund Katholischer Unternehmer, dessen Vorsitz sie von 1993 bis1996 innehatte. Schon damals schlug ihr Herz für die Ungeborenen.

Wie sehr, illustriert die Anekdote, die der Sozialwissenschaftler Manfred Spieker gern erzählt. Während des Streits um die Reform des § 218 StGB Anfang der 90er, an dem um ein Haar auch der von Wolfgang Schäuble und Günther Krause verhandelte Einigungsvertrag gescheitert wäre, habe der südbadische Protestant die niederrheinische Katholikin gefragt, sie sei doch eine kluge Frau. Warum sie in Fragen des Lebensschutzes denn so fundamentalistisch sei?

Gegner fürchten die Stringenz ihrer Interventionen

Auf die Idee, dass das eine das andere bedingen könne, kam Schäuble, der später behauptete, Mensch sei, wer von einer Mutter geboren wurde, nicht. 1999 wurde Frau Löhr zur Landesvorsitzenden der hessischen Christdemokraten für das Leben (CDL) gewählt, 2002 zu deren Bundesvorsitzenden. Seit 2005 engagiert sie sich – mit einer Unterbrechung von drei Jahren – zusätzlich im Vorstand des Bundesverbands Lebensrechts. Beobachter schätzen die Güte der von ihr konzipierten Fachtagungen und Symposien. Gegner fürchten die Stringenz ihrer Interventionen. Die öffentlichen und noch mehr jene, die sich hinter geschlossenen Türen ereignen. In der Szene gilt Löhr, die den Personalismus Johannes Pauls II. internalisiert hat, und der Benedikt XVI. den Silvesterorden verlieh, zudem als versierte Talentsucherin, die junge Menschen für den Lebensschutz zu begeistern versteht.

In zwei Wochen feiert die Vielseitige ihren 60. Geburtstag. Am Samstag hat die Stiftung „Ja zum Leben“ Frau Löhr für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement mit ihrem Stiftungspreis ausgezeichnet.

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