Porträt der Woche: Annegret Kramp-Karrenbauer

Was die neue Verteidigungsministerin mit dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer verbindet.

Im Porträt: Annegret Kramp- Karrenbauer
Wer aber beweisen will, dass er das Zeug zum Kanzler hat, der braucht Regierunsgerfahrung, am besten gepaart mit außenpolitischer Kompetenz. Foto: dpa

Viele fühlen sich getäuscht. Stets hatte Annegret Kramp-Karrenbauer versichert, sie wolle nicht in die Bundesregierung eintreten. Und dann war sie plötzlich Bundesverteidigungsministerin. Wie Recherchen des „Spiegel“ gezeigt haben, erfolgte dieser Coup auch nicht spontan, sondern war schon längerfristig mit der Bundeskanzlerin vorbereitet worden.

"Was kümmert mich mein Geschwätz
von gestern. Niemand hindert mich
daran, jeden Tag klüger zu werden"
Konrad Adenauer

Ist AKK, die nette Frau aus der Provinz, etwa doch eine verkappte Machiavellistin? Zumindest hat sie sich an eine Grundweisheit eines Altvorderen gehalten, der nicht umsonst der „alte Fuchs“ genannt wurde. „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. Niemand hindert mich daran, jeden Tag klüger zu werden“, hat Konrad Adenauer einst als Devise ausgegeben. Und auch eine andere Maxime, die das Handeln des CDU-Gründervaters immer bestimmt hat, hat AKK beherzigt: Die CDU ist in erster Linie Regierungspartei. Es geht nicht so sehr um Programme, wie etwa bei der SPD, sondern darum, den Kanzler zu stellen. Wer das sicherstellt, dem gebührt auch die Macht in der Partei.

Wer aber beweisen will, dass er das Zeug zum Kanzler hat, der braucht Regierunsgerfahrung, am besten gepaart mit außenpolitischer Kompetenz. Beides bekommt AKK nun. Und das unterstreicht ihr Ziel: Sie will tatsächlich Kanzlerin werden. (Merkel will sie wohl auch, was die Sache einerseits leichter, andererseits schwerer macht.)

Wendemanöver an den Kabinettstisch kommt kaum überraschend

Dieses Wendemanöver an den Kabinettstisch überrascht nur die, die bisher lediglich die eine Seite der Saarländerin gesehen habe: Die zugängliche, unkomplizierte Frau, die bodenständig ist und gut zuhören kann. Annegret Kramp-Karrenbauer hat bereits als Ministerpräsidentin bewiesen, dass sie den Mut zu überraschenden Entscheidungen hat – dann, wenn es ums Eingemachte geht. Als die Personalquerelen bei ihrem saarländischen Koalitionspartner FDP ihr zu bunt wurden, hat sie 2012 kurzerhand (gegen den Willen Merkels) die Jamaika–Koalition beendet, ist das Risiko von Neuwahlen eingegangen – und hat gewonnen.

Ob der neue Befreiungsschlag nun auch zum Erfolg führt? AKKs größtes Problem: Sie hat zwar die Herzen der Funktionäre erobert, aber nicht die der Stammwählerschaft. Zwar sendete sie Signale, indem sie sich von der Flüchtlingspolitik von Merkel absetzte oder deutlich deftig zum „dritten Geschlecht“ oder zur Homo-„Ehe“ Position bezog. Aber sie beherrscht eben nicht die Feinschliff-Rhetorik eines Friedrich Merz. Der bleibt für den konservativen Flügel weiterhin der „Kanzler der Herzen“. Wenn auch überhaupt nicht klar ist, ob der überhaupt will. Es gibt für AKK also noch Spielraum für künftige mutige Entscheidungen.