„Pilger des Friedens“

Gläubige bereiten dem Heiligen Vater am Beiruter Flughafen einen begeisterten Empfang – Papst: „Apostolisches Schreiben ,Ecclesia in Medio Oriente‘ Roadmap für die kommenden Jahre“. Von Oliver Maksan

„Ich komme heute symbolisch in alle Länder des Nahen Ostens“: Papst Benedikt XVI. mit dem libanesischen Staatspräsident Michel Suleiman am Flughafen in Beirut. Foto: dpa
„Ich komme heute symbolisch in alle Länder des Nahen Ostens“: Papst Benedikt XVI. mit dem libanesischen Staatspräsident ... Foto: dpa

Beirut (DT) Einen begeisterten Empfang haben Gläubige Papst Benedikt am Freitag am Beiruter Flughafen „Rafik Hariri“ bereitet. Der Heilige Vater betrat um 13.50 Uhr (Ortszeit) libanesischen Boden. Begrüßt wurde er vom Staatspräsidenten Michel Suleiman, dem Premierminister Najib Mikati sowie dem maronitischen Patriarchen Bechara Rai. In seiner Grußadresse in französischer Sprache betonte der Papst die ausgezeichneten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Libanon. Die Verehrung der Libanesen für den Apostel Petrus sei bekannt. Er sei gekommen, um das Apostolische Schreiben „Ecclesia in Medio Oriente“ zu unterzeichnen und den Gläubigen des Nahen Ostens zu überreichen. Es sei für sie eine Roadmap (dt. Strategie, Wegweisung) für die kommenden Jahre.

Der Papst hieß auch die anwesenden nicht-katholischen Patriarchen und die Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften des Landes willkommen. „Ihre Anwesenheit, liebe Freunde, zeugt von der gegenseitigen Hochschätzung und der Zusammenarbeit, die Sie im gegenseitigen Respekt voranzubringen suchen.“ Benedikt sagte weiter, dass er auch gekommen sei, um zu betonen, wie wichtig die Anwesenheit Gottes im Leben jedes Einzelnen sei. Auch das Zusammenleben könne nicht tief gegründet sein, wenn es nicht auf Gott gegründet sei, der wolle, dass alle Menschen Brüder seien. „Ich komme heute symbolisch in alle Länder des Nahen Ostens, als ein Pilger des Friedens, als ein Freund Gottes und aller Bewohner aller Länder der Region, welchen Glaubens auch immer sie sind. Eure Freuden und eure Leiden sind beständig präsent in den Gebeten des Papstes und ich bete zu Gott, dass er Euch begleite und tröste.“

Mit der Ankunft des Papstes gehen Wochen bangen Wartens zu Ende, während derer aufgrund der Sicherheitslage im Nachbarland Syrien und einem Übergreifen der Unruhen auf den Libanon über eine Absage des Besuchs immer wieder spekuliert worden war. Am Donnerstag hatte der maronitische Patriarch Bechara Rai mitgeteilt, dass der Papst zu einem Ende des Blutvergießens im Nachbarland Syrien aufrufen werde. „Der Papst wird definitiv dazu aufrufen, den Kreislauf der Gewalt in Syrien zu beenden und jede finanzielle oder waffenmäßige Unterstützung sowohl der Regierung als auch der Opposition einzustellen“, so der Patriarch der libanesischen Zeitung „The Daily Star“ vom Freitag zufolge. Rai bezeichnete die päpstliche Visite als Appell für den Frieden im Nahen Osten, als Aufruf zur Trennung von Staat und Religion und den Aufbau von Demokratie. „Den Arabischen Frühling, den wir uns wünschen, ist einer, der das christlich-islamische Zusammenleben voranbringt“, so der Patriarch. Der Patriarch kündigte außerdem an, dass im Dezember diesen Jahres ein Treffen von Patriarchen und Bischöfen der Region im Libanon stattfinden werde, um über die Umsetzung des Apostolischen Schreibens „Ecclesia in Medio Oriente“ zu beraten, das der Papst am Sonntag überreichen wird.

Über alle politischen und religiösen Lager hinweg wurde der Papst am Freitag in seltener Übereinstimmung von Politikern willkommen geheißen. Premierminister Najib Mikati sieht den Papstbesuch im Libanon als Chance für eine echte Zusammenarbeit zwischen allen Völkern der Region. Alle Christen und Muslime im Libanon vertrauten darauf, dass der Besuch des Papstes Gutes mit sich bringen werde, sagte Mikati gegenüber AKI-Adnkronos International. Nur ein „gerechter, dauerhafter und vollkommener Frieden“ könne zu Stabilität und Sicherheit führen, so der sunnitische Politiker. Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah hatte den Besuch kürzlich „historisch und außergewöhnlich“ genannt. Die Schiitenmiliz hat in den von ihr kontrollierten Gebieten um den Flughafen „Rafik Hariri“ außerdem Fahnen aufgestellt, die den Papst auf arabisch und französisch begrüßen: „Die Hisbollah heißt den Papst im Heimatland des Zusammenlebens willkommen.“ Michel Aoun, Chef der zum Regierungsbündnis vom 8. März gehörenden größten christlichen Partei „Freie Patriotische Bewegung“ bezeichnete den Papstbesuch in einer Stellungnahme als hochbedeutsam in einer Zeit, da die Präsenz der Christen durch die Turbulenzen im Nahen Osten bedroht sei. Auch aus dem oppositionellen Bündnis vom 14. März wurde der Papst begrüßt. Der frühere Premierminister und Führer der Sunniten im Parlament, Fouad Siniora, sagte: „Der päpstliche Besuch ist eine große Ehre für uns. Er bestätigt, dass der Libanon ein Land des Zusammenlebens ist“, so Siniora nach einem Treffen mit dem Patriarchen Rai am Donnerstag. „Wir sind ein Land, dessen Integrität täglich vom israelischen Feind und dem syrischen Regime verletzt wird. Angesichts der Stürme, die um uns herum toben, brauchen wir jemanden, der an unserer Seite steht.“ Der Führer der christlichen Forces Libanaises, Samir Geagea, rief alle Libanesen in einer Stellungnahme dazu auf, zahlreich am Besuch des Papstes teilzunehmen. „Im Lichte des gegenwärtigen Wandels in der Region ist der Besuch des Papstes eine Botschaft der Ermutigung an die Christen im Nahen Osten und ein Segen für unser Land.“