Peinliche Aufregung

Die Verärgerung ist groß bei vielen Nato-Partnern – Deutschland tritt ins hintere Glied, sobald es um die Verteilung der Risiken geht. Wenn Stephen Harper, Ministerpräsident des zuverlässigen Nato-Mitglieds Kanada, jetzt Unmut über ausbleibende Verstärkung für den Süden Afghanistans äußert, so zielt das vor allem auf Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist die Aufregung über einen deutschen Kampftruppenverband als schnelle Eingreiftruppe peinlich und dem deutschen Ansehen im Bündnis abträglich.

Wieder wird hierzulande die falsche Diskussion geführt. Es geht um eine bewegliche Reserve, die bei Bedarf schnell dorthin verlegt werden soll, wo ein zusätzlicher Schutz oder die Abwehr eines Angriffs notwendig werden. Gäbe es eine solche Truppe nicht, dann wäre das Risiko für die in den Aufbauteams eingesetzten Soldaten wesentlich höher, die übrigens auch jetzt schon durch Sicherungskräfte – also Kampftruppen – geschützt werden. Birgit Homburger (FDP), sogenannte Verteidigungsexpertin, redet schlicht Unsinn, wenn sie von „offensiven Operationen“ spricht und behauptet, hier handele es sich nach den Tornado-Einsätzen „um eine erneute Erweiterung des Aufgabenspektrums“.

Die Aufregung beunruhigt die betroffenen Soldaten und deren Familien. Die Kampftruppen sind so gut ausgebildet, wie das nur möglich ist – andere Armeen orientieren sich in dieser Hinsicht inzwischen am deutschen Heer. Sie sind auch gut ausgestattet, von geschützten Fahrzeugen bis hin zu modernstem Aufklärungsgerät. Doch das wird von Kritikern bezweifelt. So bauen sie schon mal vor, falls tatsächlich etwas schiefläuft. Das wirkliche Zukunftsrisiko wird dagegen durch die Politik verdrängt: Europas Handlungsfähigkeit erschöpft sich am Hindukusch, und das mit höchst fragwürdigem Ausgang. rd