„Patriotismus ja, Nationalismus nein“

Kardinal Marx stellt sich beim Michaelsempfang hinter die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung – Bischof Schick mahnt CSU

Kanzlerin Angela Merkel und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx an Dienstag in Berlin. Foto: dpa
Kanzlerin Angela Merkel und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx an Dienstag in Berlin... Foto: dpa

Berlin/Bamberg (KNA) Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat seine Zustimmung zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung bekräftigt. Die Kirche werde sich auch weiter mit aller Kraft für die Unterbringung und Integration der Flüchtlinge einsetzen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Dienstagabend beim traditionellen Sankt-Michaels-Empfang der katholischen Kirche in Berlin. Er sehe nirgendwo, dass die Bereitschaft zu helfen nachgelassen habe. Scharfe Kritik übte er am Aufkommen eines neuen Nationalismus in Deutschland und Europa.

Zum Michaelsempfang waren neben Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundeskanzlerin Angela Merkel auch mehrere Bundesminister gekommen, darunter Innenminister Thomas de Maiziere, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Gesundheitsminister Hermann Gröhe sowie weitere hochrangige Parlamentarier. Auch Vertreter des Zentralrats der Juden und der muslimischen Verbände nahmen teil sowie der Apostolische Nuntius in Berlin, Erzbischof Nikola Eterovic.

Als wesentliche Punkte für die Flüchtlingspolitik nannte Marx die menschenwürdige Behandlung jedes Schutzsuchenden an der Grenze, ein faires Verfahren und dass niemand in die Situation von Krieg und Vertreibung zurückgeschickt werde. Ferner müsse alles getan werden, um den Tod von Flüchtlingen etwa im Mittelmeer zu vermeiden. Zudem mahnte er die Bekämpfung von Fluchtursachen an.

Marx zeigte sich „außerordentlich beunruhigt“ über einen „neuen Nationalismus“. Für die Kirche könne er sagen, „dass wir jeden Nationalismus bekämpfen werden“. Der Kardinal weiter: „Patriotismus ja, aber Nationalismus nein.“ Zugleich beklagte er eine populistische Sprache der Abschottung. Eine restaurative und neoromantische Vorstellung biete Europa keine Zukunftsperspektive. Die Kirche werde sich daran nicht beteiligen. Gleichzeitig betonte der Kardinal, dass Europa mehr sei als ein Wohlstandsmodell. Es gehe darum, die spirituellen Ressourcen wieder neu ins Spiel zu bringen. Dazu gehöre auch der Schutz der „Würde des Lebens, von Anfang an bis zum Ende“.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick mahnt die CSU, das „C“ im Parteinamen ernst zu nehmen. Christen müssten einschreiten, wenn andere Menschen herabgewürdigt oder ihre Menschenwürde tangiert werde, sagte Schick am Dienstagabend vor Journalisten. Hier seien alle Parteien gefordert, „besonders die ein ,C‘ im Namen führen“, betonte der Erzbischof.

Auf die Frage, ob es noch gerechtfertigt sei, dass die CSU diesen Buchstaben benutze, sagte Schick: „Das ,C‘ ist natürlich noch gerechtfertigt – als Zielvorgabe.“ In der Gesellschaft gebe es weiter eine große Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge. Dieses Potenzial an Solidarität dürfe nicht durch „unkluge, falsche Rede untergraben werden“, sagte der Erzbischof mit Blick auf jüngste Aussagen von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer zu ministrierenden und Fußball spielenden Flüchtlingen aus dem Senegal.

Zudem warnte Schick davor, die CSU könne beim Versuch, die AfD mit entsprechend radikalen Forderungen klein zu halten, über das Ziel hinausschießen. „Das Ziel rechtfertigt nicht die Mittel.“ Aufgabe der Kirche sei es in der momentanen Debatte, immer wieder zu Achtsamkeit zu mahnen, gerade in der Sprache. Auch bei Grenzüberschreitungen könne es für sie nicht darum gehen, „jemanden zu verteufeln, in die Pfanne zu hauen“. Als Bischof habe er sehr bewusst einen Eid auf die bayerische Verfassung und auf das Grundgesetz abgelegt. Ihm sei es daher wichtig, dass „die Verfassung so eingehalten wird, wie es da steht“.

Dabei gehe es um Menschenwürde, die Menschenrechte und letztlich auch die Flüchtlinge. Jedem, der in Not ist, müsse geholfen werden. Dies dürfe aber keine „Einbahnstraße“ sein, so Schick. Nötig seien auch schnellere Asylverfahren, die derzeitigen Bearbeitungszeiten seien „völlig inakzeptabel“. Abgelehnte Asylbewerber müssten schneller abgeschoben werden, jedoch in einer Weise, die „menschenwürdig“ sei.