Papst will nicht von „islamischer Gewalt“ sprechen

In Frankreich und Italien nahmen tausende Muslime zum Gedenken an Jacques Hamel an katholischen Sonntagsmessen teil

Rom/Paris (DT/KNA/poi) Papst Franziskus hat sich gegen eine Gleichsetzung von Islam und Gewalt gewandt. Beim Rückflug vom Weltjugendtag in Krakau sagte er, es sei „nicht richtig und nicht wahr, zu sagen, dass der Islam terroristisch ist“. In nahezu allen Religionen gebe es kleine fundamentalistische Gruppen. Er fügte hinzu: „Wir haben sie auch.“ Zugleich bekräftigte Franziskus, ein friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen sei weiterhin möglich. Der Papst lehnte es ab, von „islamischer Gewalt“ zu reden. „Wenn ich von islamischer Gewalt spreche, muss sich auch von katholischer Gewalt sprechen“, erklärte Franziskus. In der Zeitung lese er täglich über Gewalttaten in Italien, die von getauften Katholiken begangen worden seien. Aber „alle Katholiken“ seien ebenso wenig gewalttätig wie „alle Muslime“. Angesichts des Fundamentalismus stelle sich ihm die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass Europa so vielen Jugendlichen keine Ideale und keine Arbeit gegeben habe, die sich nun in Drogen flüchteten oder fundamentalistischen Gruppen anschlössen.

In Frankreich und Italien haben am Sonntag tausende Muslime an katholischen Messfeiern teilgenommen, um nach der Ermordung des französischen Priesters Jacques Hamel durch zwei 19-jährige Islamisten ein „Zeichen der spirituellen Nähe und des Miteinanders“ zu geben. In einer Erklärung des französischen „Rates für den muslimischen Kultus“ (CFCM) hieß es, „unsere Gebete und unsere Nähe gelten dem Andenken von Abbe Jacques Hamel, aller Opfer des Terrors und ihrer Familien“.

Papst: „Wir haben auch fundamentalistische Gruppen“

Die italienische islamische Glaubensgemeinschaft stellte fest, dass es in diesem dramatischen Moment von entscheidender Bedeutung sei, „ein konkretes Zeichen für den tiefen Respekt vor der Heiligkeit der Riten, der Priester und der Gotteshäuser des Christentums zu geben, wo die Gläubigen die Segnungen der spirituellen Gemeinschaft empfangen“. In Frankreich nahmen islamische Abordnungen an den Messfeiern in den Kathedralen von Paris, Lyon, Marseille, Lille, Toulon, Rennes, Perpignan und anderen Städten teil, in Italien in Rom, Mailand, Turin, Florenz, Novara, Genua, Verona, Brescia, Vicenza, Siena, Brindisi, Palermo und Agrigento.

Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, begrüßte die muslimische Präsenz bei den Messfeiern. Es sei erfreulich, dass die aus theologischen Gründen sehr gespaltene islamische Welt zu einer einmütigen Verurteilung der Barbarei gefunden habe. Wahre Religion führe immer zu Nächstenliebe und Frieden, so der Kardinal. Alles, was dem Tod diene, könne sich niemals religiös nennen. Die erste Antwort auf den „barbarischen Fundamentalismus“ müsse aus dem islamischen Bereich kommen. Die Täter müssten das Gefühl bekommen, dass ihnen eine „entschlossene, klare, ständige Verurteilung“ entgegenschlage.

Auch der Bischof von Novara, Franco Giulio Brambilla, brachte Dankbarkeit für „die Initiative der islamischen Brüder“ zum Ausdruck, in der nächstgelegenen Kirche „Solidarität und Anteilnahme“ nach dem „feigen Mord“ an dem Priester Jacques Hamel zum Ausdruck zu bringen. In einer Botschaft, die am Sonntag in der Basilika San Gaudenzio in Novara verlesen wurde, stellte er fest: „Das ist ein großes Zeichen, das wir erwartet haben. Es bedeutet, dass die Gläubigen aller Religionen – vor allem Juden, Christen und Muslime – jede Gewalt verurteilen, die angeblich im Namen Gottes verübt wird. Mit ihrer Initiative haben die wahrhaft gläubigen Muslime deutlich gemacht, dass die Verletzung des heiligen Raums des Gottesdienstes ein unerhörter Akt ist, dafür sind wir ihnen dankbar“.

Nach Angaben der französischen Zeitung „Le Parisien“ hat der Rektor der Moschee von Saint-Etienne-du-Rouray, dem Städtchen, wo der Mord an Jacques Hamel erfolgte, Mohammed Karabila, erklärt, dass es für die beiden 19-jährigen Täter kein religiöses Begräbnis geben wird: „Wir wollen den Islam nicht beflecken.“ Karabila hatte eng mit Hamel zusammengearbeitet. Der Grund, auf dem die Moschee von Saint-Etienne-du-Rouray steht, war von einem Schwesternorden für einen symbolischen Euro der muslimischen Gemeinde zur Verfügung gestellt worden.