Papst ruft zur Versöhnung auf

Bischof Tebartz-van Elst kehrt nicht nach Limburg zurück – Weihbischof Grothe zum Diözesanadministrator ernannt

Papst Franziskus hat den Rücktritt des bisherigen Limburger Bischofs angenommen. Tebartz-van Elst werde zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut werden, hieß es am Mittwoch in einer Presseerklärung des Vatikan. Foto: dpa
Papst Franziskus hat den Rücktritt des bisherigen Limburger Bischofs angenommen. Tebartz-van Elst werde zu gegebener Zei... Foto: dpa

Rom/Berlin (DT/gho/KNA) Papst Franziskus hat den Klerus und die Gläubigen der Diözese Limburg gebeten, zu einem Klima der Barmherzigkeit und Versöhnung zurückzufinden. Der Anlass: In einer Pressemitteilung gab der Heilige Stuhl am Mittwoch bekannt, dass der Vatikan den von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bereits im Oktober vergangenen Jahres angebotenen Rücktritt jetzt angenommen hat. „In Hinblick auf die Verwaltung der Diözese Limburg in Deutschland“, heißt es in der mittags veröffentlichten Mitteilung, „hat die Kongregation für die Bischöfe eingehend den Bericht jener Kommission studiert, die nach dem Willen des Bischofs und des Domkapitels eingesetzt wurde, um eingehende Untersuchungen im Hinblick auf die beteiligten Verantwortlichkeiten beim Bau des Diözesanen Zentrums ,St. Nikolaus‘ vorzunehmen.“ Jene Kommission wurde vom Paderborner Weihbischof Manfred Grothe (74) geleitet.

„Angesichts der Tatsache“, heißt es in der vatikanischen Pressemitteilung weiter, „dass es in der Diözese Limburg zu einer Situation gekommen ist, die eine fruchtbare Ausübung des bischöflichen Amtes durch S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst verhindert, hat der Heilige Stuhl den mit Datum vom 20. Oktober 2013 durch den Bischof angebotenen Amtsverzicht angenommen und hat einen Apostolischen Administrator ernannt in der Person von S.E. Mons. Manfred Grothe.“

Der scheidende Bischof Tebartz-van Elst (54), so abschließend in der Mitteilung, „wird zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut werden. Der Heilige Vater bittet den Klerus und die Gläubigen des Bistums Limburg, die Entscheidung des Heiligen Stuhls bereitwillig anzunehmen und sich darum zu mühen, in ein Klima der Barmherzigkeit und Versöhnung zurückzufinden.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zeigte sich erleichtert über die Entscheidung des Papstes. „Es ist gut, dass der Papst heute eine Entscheidung herbeigeführt hat, die für das Bistum Limburg eine Zeit der Unsicherheit beendet und einen Aufbruch und Neubeginn möglich macht“, sagte Marx am Mittwoch in Berlin. „Jetzt ist es wichtig, dass das Bistum Limburg einen guten Weg in eine gemeinsame Zukunft gehen kann.“ Dazu seien „Bereitschaft zur Versöhnung, neues Vertrauen und die Kraft des Gebetes notwendig“, so der Münchner Erzbischof. Er werde sich persönlich – „sofern ich das kann und es mir zusteht“ – in diesen Prozess einbringen. Mit Blick auf die Ereignisse im Bistum Limburg sagte Marx, die Bischöfe spürten deutlich, dass es „ein breit angelegtes Bedürfnis danach gibt, dass die Entscheidungsgremien und -strukturen der katholischen Kirche, die teils über Jahrhunderte gewachsen sind und sich an vielen Stellen bewährt haben, deutlicher erklärt und nachvollziehbar gemacht werden“. Durch mehr Transparenz müsse die Glaubwürdigkeit der Kirche wieder erhöht werden. Marx sieht die Kirche in Deutschland auf einem guten Weg: Eine bereits im vergangenen Jahr eingesetzte Arbeitsgruppe beschäftige sich systematisch mit der finanziellen Transparenz und dem Vermögen der Kirche und erarbeite Handlungsempfehlungen. Mit Blick auf das Vorgehen im Fall Tebartz-van Elst sprach der Kardinal von einem „fairen und transparenten“ Verfahren. „Es war ein wesentliches Anliegen, dass alle Argumente auf den Tisch kommen, alle Beteiligten – darunter auch Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst – gehört werden und ein unabhängiges Gutachten als Basis für eine ausgewogene Entscheidung erstellt wurde.“ Marx wünschte Tebartz-van Elst „die Kraft zum neuen Anfang“ und dankte ihm für sein Wirken. Dem Limburger Generalvikar Wolfgang Rösch, der das Bistum in der Auszeit des Bischofs in den letzten Monaten geführt hatte, bescheinigte der Kardinal „Umsicht und Weitsicht“.

Auch der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker begrüßte die Entscheidungen des Papstes. „Mit der Annahme des Rücktritts von Bischof Tebartz-van Elst ermöglicht Papst Franziskus dem Bistum Limburg einen wirklichen Neuanfang“, sagte Becker am Mittwoch in Paderborn. Er wünsche den katholischen Christen dort, dass ihre Diözese nun in ruhigeres Fahrwasser gerate und sich ganz ihrer eigentlichen Bestimmung widmen könne, nämlich „Zeichen und Werkzeug der Liebe Gottes zu uns Menschen zu sein“.

Dass der Papst den Paderborner Weihbischof Manfred Grothe zum Apostolischen Administrator des Bistums Limburg ernannt hat, bezeichnete Becker als „großen Vertrauensbeweis“, der die Kirche von Paderborn ehre. „Ich bin mir sicher, dass Weihbischof Grothe der Kirche von Limburg auf der jetzt beginnenden Wegetappe ein guter Begleiter sein wird“, so der Erzbischof. „Seine Jahrzehnte lange Erfahrung, sein großes Fachwissen und vor allem seine sachliche und dennoch den Menschen zugewandte Art prädestinieren ihn für die vor ihm liegende Aufgabe.“

„Einen gemeinsamen Weg für einen Neubeginn gehen“

Weihbischof Grothe leitete seit Oktober 2013 die von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Kommission, die die Finanzierung der Bauprojekte auf dem Limburger Domberg überprüfte. Der Bericht wurde Anfang März fertig gestellt und vom damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, der Bischofskongregation im Vatikan übergeben.

Manfred Grothe wurde am 4. April 1939 in Warburg geboren. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie in Münster, Paderborn und München folgte 1967 die Priesterweihe. Grothe war zunächst Vikar und Religionslehrer, ab 1972 Diözesanpräses der Paderborner Kolpingsfamilie. 1978 wechselte er ins Generalvikariat des Erzbistums, wo er 1982 die Leitung der Hauptabteilung Finanzen übernahm und 1991 stellvertretender Generalvikar wurde. 2003 wurde er Generalvikar. Im Jahr darauf folgte die Bischofsweihe.

Der neue Diözesanadministrator im Bistum Limburg, Weihbischof Manfred Grothe, sieht sich nun in der Pflicht, „in Aufrichtigkeit und Barmherzigkeit einen gemeinsamen Weg für einen Neubeginn zu gehen“. Die Geschehnisse der vergangenen Monate hätten viele Menschen verletzt. „Wir werden das Geschehene sorgfältig und umsichtig aufarbeiten“, so der bisherige Paderborner Weihbischof. Der neue Apostolische Administrator des Bistums Limburg ernannte Generalvikar Wolfgang Rösch zu seinem Ständigen Vertreter.

Auch der Mainzer Kardinal Karl Lehmann begrüßte hat den Rücktritt von Tebartz-van Elst im Nachbarbistum. Er hoffe auf „gute Schritte in die Zukunft“ und eine „Sanierung der Schäden und Verluste, die nicht nur in Limburg, sondern überall in unserem Land entstanden sind“, erklärte Lehmann am Mittwoch in Mainz. Die Entscheidung „nach vielen Monaten der Auseinandersetzung“ erspare dem Bistum Limburg und Tebartz-van Elst weiteren Streit. Lehmann äußerte den Wunsch, dass sich für Tebartz-van Elst eine „gut überlegte künftige Aufgabe ergibt“. Der Kardinal sagte dem neuen Administrator in Limburg, Weihbischof Manfred Grothe, seine Hilfe zu.

Erzbischof Robert Zollitsch zeigte sich nach den Worten seines Sprechers Robert Eberle erleichtert über den Rücktritt . Die Situation im Bistum sei eine große Last und Sorge für die Kirche in ganz Deutschland gewesen, sagte Eberle am Mittwoch auf Anfrage. Der von Zollitsch noch als Bischofskonferenz-Vorsitzender in Auftrag gegebene Prüfbericht zur Finanzierung des Bischofshauses sei eine „solide Basis für die Entscheidung des Heiligen Stuhls“ gewesen. „Heute können alle aufatmen – vor allem der Klerus und die Gläubigen im Bistum Limburg, die nun wieder nach vorn schauen können“, so Eberle. Damit bestehe für viele Christen nun die Hoffnung, „dass es der Kirche jetzt auch wieder besser gelingt, Vertrauen zu gewinnen“.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) erklärte, jetzt sei die Chance für einen wirklichen Neuanfang gegeben. Zugleich müsse die Kirche aus dem Fall lernen, sagte ZdK-Präsident Alois Glück. „Dies gilt besonders für die Transparenz der Finanzen, für die Bedeutung einer qualifizierten Gremienarbeit und für einen kooperativen Führungsstil.“ Glück lobte eine „rückhaltlose Aufklärung der Fakten durch die Bischofskonferenz“. Dieser Weg sollte beispielhaft sein für andere Konfliktsituationen.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, bezeichnete den Rücktritt von Bischof Tebartz-van Elst als „außerordentlich wichtig für einen Neuanfang im Bistum Limburg“ gewertet. Die evangelische Seite habe „mit Sorge beobachtet, welche Belastung die vergangenen Monate für das Bistum waren“, erklärte Jung am Mittwoch in Darmstadt. Die Gebiete von Landeskirche und Bistum überschneiden sich in großen Teilen.

Der Zufall wollte es, dass Papst Franziskus am Mittwoch, dem Tag der Limburger Entscheidung, bei der Generalaudienz, bei der er derzeit eine Reihe von Katechesen über die sieben Sakramente hält, über die Weihe von Bischöfen, Priestern und Diakonen sprach. Dabei rief Franziskus zum Gebet für Bischöfe und Priester auf, die in Schwierigkeiten seien oder „den Wert und die Frische ihrer Berufung“ neu entdecken müssten. Das Weihesakrament befähige zur Ausübung des Amtes, welches Jesus den Aposteln anvertraut habe, sagte der Papst. „In diesem Sinn tragen die ausgewählten und geweihten Männer die Gegenwart und das Wirken Christi in der Welt fort.“ Das habe für das Leben des Geweihten drei Konsequenzen: Dienst, Liebe zur Kirche und Gebet.