Papst Benedikts Syrien-Mission

Synodenväter reisen in den nächsten Tagen nach Damaskus, um ihre brüderliche Solidarität auszudrücken – Die UNO warnt, dass immer mehr Dschihadisten in Syrien kämpfen. Die konfessionellen Spannungen seien „dramatisch“ gestiegen Von Oliver Maksan

„Wir können nicht einfache Zuschauer der Tragödie sein, die sich in Syrien abspielt.“ Die mit einem Fischauge-Objektiv gemachte Aufnahme zeigt Papst Benedikt XVI. und die Synodenväter bei der Eröffnung des Bischofstreffens. Foto: dpa
„Wir können nicht einfache Zuschauer der Tragödie sein, die sich in Syrien abspielt.“ Die mit einem Fischauge-Objektiv g... Foto: dpa

Rom/New York/Damaskus (DT) Im Auftrag Papst Benedikts XVI. und mit Unterstützung der derzeit im Vatikan tagenden Bischofssynode wird eine Gruppe hoher katholischer Würdenträger in den nächsten Tagen in die syrische Hauptstadt Damaskus aufbrechen. Dies hat Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone am Dienstagabend im Vatikan bekannt gegeben. Vor den Vätern der Bischofssynode für die Neuevangelisierung sagte der Kardinal: „Wir können nicht einfache Zuschauer der Tragödie sein, die sich in Syrien abspielt.“ Davon überzeugt, dass es keine andere als eine politische Lösung des Konflikts geben könne, die zugleich das immense Leid der Bevölkerung, das Schicksal der Flüchtlinge und die Zukunft der syrischen Nation mitbedenken müsse, hätten einige Synodenväter vorgeschlagen, sich mit Syrien solidarisch zu zeigen. Deshalb habe der Papst eine Delegation zusammengestellt. Ihre Mitglieder gab Kardinal Bertone ebenfalls in der Synodenaula bekannt. Demnach werden ihr Synodenväter und Vertreter des Staatssekretariates angehören. Angeführt wird die Gesandtschaft von den Kardinälen Laurent Mosengwo Pasinya, Erzbischof von Kinshasa im Kongo, Jean-Louis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, und Timothy Dolan, Erzbischof von New York. Außerdem werden der kolumbianische Militärbischof Fabio Suescun Mutis und der Bischof von Phat Diem in Vietnam, Joseph Nguyen Nang, mitreisen. Die meisten der Genannten dürfen als in Bürgerkriegen und internen Konflikten erfahren beziehungsweise als Kenner der Region gelten. Ergänzt wird die Delegation von Erzbischof Dominique Mamberti, dem Sekretär des Rates für die Beziehungen mit den Staaten, und Monsignore Alberto Ortega, einem Beamten des Staatssekretariates. Sobald die Formalitäten mit dem Apostolischen Nuntius in Syrien und den dortigen Behörden geklärt seien, werde die Gruppe aufbrechen, wahrscheinlich nächste Woche, so Bertone. Ziel der Gesandtschaftsreise sei es, im Namen des Papstes und der Synode dem syrischen Volk die brüderliche Solidarität zu bekunden. Die Delegation werde eine Spende der Synodenväter und des Heiligen Stuhles überreichen. Zugleich wolle man die geistliche Nähe mit den christlichen Brüdern und Schwestern ausdrücken. Außerdem sollten dadurch all jene ermutigt werden, die sich um eine Verständigung bemühten, die die Rechte und Pflichten aller unter besonderer Berücksichtigung des humanitären Rechts respektiere, so der Staatssekretär.

Schon zuvor hatte der Heilige Vater immer wieder auf die Lage in Syrien aufmerksam gemacht. Besonders während seiner Apostolischen Reise in das Nachbarland Libanon Mitte September betonte er, dass eine friedliche Lösung des Konflikts gefunden werden müsse. Noch während des Flugs nach Beirut erklärte er vor den mitreisenden Journalisten, dass die Lieferung von Waffen in das Bürgerkriegsland eine„schwere Sünde“ sei.

Unterdessen hat die UNO vor einer Radikalisierung des syrischen Bürgerkriegs durch die wachsende Beteiligung dschihadistischer Kämpfer auf Seiten der Rebellen gewarnt. Wie der Vorsitzende des Sonderkomitees zur Untersuchung von mutmaßlichen Kriegsverbrechen in Syrien, Paulo Sergio Pinheiro, am Dienstag in New York bekannt gab, nimmt die Zahl der ausländischen Dschihadisten in Syrien zu. Sie verfolgten eigene radikale Ziele und setzten sich nicht für Demokratie und Menschenrechte ein. Insgesamt hätten die konfessionellen Spannungen im Land dramatisch zugenommen, so Pinheiro.

In ihrer Ausgabe vom Dienstag hatte die Zeitung „The New York Times“ anonyme amerikanische Regierungsvertreter zitiert, die bestätigten, dass Waffenlieferungen aus Saudi-Arabien und Katar nach Syrien in den meisten Fällen den Dschihadisten zugute kämen. Derzeit lieferten die Vereinigten Staaten nicht direkt Waffen an die Rebellen, sondern unterstützten die Aufständischen vor allem durch Geheimdiensterkenntnisse. Dem Zeitungsbericht zufolge sind Vertreter der US-Regierung besorgt, dass im Falle eines Sturzes Präsident Assads ein neuer Konflikt ausbrechen könnte, in dem die Dschihadisten die am besten bewaffneten Kämpfer im Lande sein könnten.

Die Initiative des UN-Sondergesandten für Syrien, Lakhdar Brahimi, während des bevorstehenden islamischen Opferfestes Ende Oktober eine Waffenruhe zu erreichen, ist von der Damaszener Regierung derweil positiv aufgenommen worden. Man sei dazu bereit, wenn sich auch die die Rebellen unterstützenden Länder daran beteiligten, so ein Sprecher des Außenministeriums an Dienstag. Damit will die Regierung zum Ausdruck bringen, dass man auf Seiten der Rebellen keinen Ansprechpartner erkennt, der für alle Beteiligten verbindlich sprechen könnte. Das Opferfest, währenddessen der beabsichtigten Opferung Ismaels durch seinen Vater Ibrahim gedacht wird, beginnt in diesem Jahr am 26. Oktober.