Pakistan: Wieder ein Polit-Mord

Islamabad (DT/dpa) Islamisten haben den einzigen Christen im pakistanischen Kabinett ermordet. Nach Angaben der Polizei wurde der christliche Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, von mindestens zehn Kugeln getroffen, als er am Mittwoch sein Haus verließ. Er hatte Änderungen am Blasphemie-Gesetz seines Landes gefordert. Islamisten hatten ihn deswegen mit dem Tode bedroht. Erst im Februar hatte der Minister in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa Änderungen am Blasphemie-Gesetz gefordert. Er hatte kritisiert, das Gesetz werde von muslimischen Extremisten als Werkzeug genutzt, „um ihre persönlichen Rechnungen zu begleichen“. Minderheiten würden unter dem Gesetz leiden. Bhatti hatte gesagt, wegen seiner Kritik erhalte er Todesdrohungen. Er sei aber bereit, für seine Haltung zu sterben. Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen hinterließen die Attentäter ein Flugblatt am Tatort. Darauf habe sich eine Taliban-Gruppe aus der ostpakistanischen Provinz Punjab zu der Tat bekannt. Weiter habe auf dem Flugblatt gestanden, all jene, die Änderungen am Blasphemiegesetz forderten, würden getötet werden. Präsident Asif Ali Zardari verurteilte den Mord.

Der 42 Jahre alte Bhatti hatte sich auch für die Christin Asia Bibi eingesetzt, die wegen Blasphemie von einem Gericht in Punjab zu Tod verurteilt wurde. Der Fall ist nun vor dem Obersten Gericht in der Provinzhauptstadt Lahore anhängig. Wegen Kritik am Blasphemie-Gesetz war zu Jahresbeginn der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, von seinem Leibwächter erschossen worden. Auch er hatte sich für Asia Bibi eingesetzt. Der Attentäter Mumtaz Hussain Qadri wird von Teilen der Bevölkerung als Held gefeiert. Pakistans Blasphemie-Gesetzt verbietet generell die Beleidigung jeder Religion, wird aber in der Praxis bei angeblicher Herabsetzung des Islam angewandt. Die schwersten Strafen können bei der Schändung des Koran und des Namens des Propheten Mohammed verhängt werden.