Orden sollen Sauerteig der Gesellschaft sein

In einem Apostolischen Schreiben zum Jahr des Gott geweihten Lebens ruft der Papst zu Dankbarkeit und Freude auf. Von Guido Horst

Rom (DT) Dankbar zu sein für das Vergangene, die Gegenwart mit Leidenschaft zu leben und voller Hoffnung auf die Zukunft zuzugehen, das sind für Papst Franziskus die Ziele des „Jahrs des Gott geweihten Lebens“, das am Sonntag in Rom eröffnet wird. Das geht aus einem Apostolischen Schreiben des Papstes hervor, das der Vatikan gestern veröffentlicht hat. Es trägt das Datum vom 21. November. Franziskus erwartet sich auch „frohe Gesichter“ in den Orden und dass die Ordensleute „die Welt aufwecken“. Die Personen des Gott geweihten Lebens sollten in alle Welt gehen, aber zugleich „Experten des gemeinschaftlichen Lebens“ sein. Alle Gläubigen der Kirche müssten dafür dankbar sein, dass es das Zeugnis des Lebens in den Orden und allen christlichen Gemeinschaften gebe.

Zu Beginn des Schreibens hebt der Papst vor allem die Dankbarkeit für das heraus, was in den fünfzig Jahren seit dem Zweiten Vatikanum geschehen sei. Das Konzil sei ein „Windstoß“ des Heiligen Geistes für die gesamte Kirche gewesen. Dank des Konzils „hat das Gott geweihte Leben einen fruchtbaren Weg der Erneuerung eingeschlagen, die mit ihren Licht- und ihren Schattenseiten eine Zeit der Gnade gewesen ist“. Das Ordensjahr solle aber auch ein Anlass sein, „mit Demut und mit großem Vertrauen in den Gott der Liebe die eigenen Schwächen zu bekennen“. Mit Kraft und mit Freude solle man vor der Welt ein Zeugnis ablegen für die Lebendigkeit, die zum großen Teil bei denen anzutreffen sei, „die berufen wurden, Christus im Gott geweihten Leben zu folgen“.

Ein Wort von Benedikt XVI. aufgreifend erklärt Franziskus, dass die Kirche nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehungskraft wachse. „Ja, das Gott geweihte Leben wächst nicht, wenn wir schöne Berufungs-Kampagnen organisieren, sondern wenn die jungen Frauen und Männer, die uns begegnen, sich angezogen fühlen, wenn sie in uns glückliche Männer und Frauen sehen! Apostolische Wirksamkeit ergibt sich nicht aus der Effizienz und Stärke der Mittel. Es ist euer Leben, das sprechen muss, ein Leben, aus dem die Freude und Schönheit herausstrahlt, das Evangelium zu leben und Christus zu folgen.“

Wichtig für den Ordensmann und die Ordensfrau sei die „Unterscheidung der Geister“, schreibt Papst Franziskus und fährt fort: „Ich erwarte mir, dass ihr nicht in ,Utopien‘ lebt, sondern dass ihr es versteht, ,andere Orte‘ zu schaffen, wo man nach der evangeliumsgemäßen Logik der Hingabe, der Brüderlichkeit, der Aufnahme des von einem selbst Verschiedenen und der gegenseitigen Liebe lebt. Klöster, Gemeinschaften, Zentren der Spiritualität, Horte, Schulen, Krankenhäuser, Familien-Häuser und all jene Orte, die die Nächstenliebe und die charismatische Kreativität haben entstehen lassen und die mit einer noch weitergehenden Kreativität entstehen werden, sollen immer mehr zum Sauerteig für eine vom Evangelium inspirierte Gesellschaft werden, zur ,Stadt auf dem Berg‘, die von der Wahrheit und der Macht der Worte Jesu spricht.“

Am Ende seines Apostolischen Schreibens wendet sich Franziskus an die Bischöfe. Sie sollen besonders im Ordensjahr das Gott geweihte Leben herzlich und froh an- und aufnehmen als ein geistliches Kapital, „das zum Wohl des ganzen Leibes Christi beiträgt“. Sie sollen die besonderen Charismen in den ihnen anvertrauten Gebieten fördern, seien es die historisch gewachsenen wie die neuen Charismen. Aufmerksamkeit und Liebe sei den Gottgeweihten zuzuwenden, die in Situationen des Leidens und der Schwäche lebten. Auch sei dem ganzen Volk Gottes in der Verkündigung der Wert des Gott geweihten Lebens neu bewusst zu machen.