Orbán lobt Merkel für Europa-Politik

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben am vergangenen Montag an einem ökumenischen Gottesdienst im ungarischen Sopron teilgenommen.

Bundeskanzlerin Merkel besucht Ungarn
Ungewöhnlich herzlich: Viktor Orban begrüßt Angela Merkel. Foto: dpa

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben am vergangenen Montag an einem ökumenischen Gottesdienst in Sopron (Ödenburg) in Ungarn teilgenommen, bei dem an den 30. Jahrestag der ersten Massenflucht von DDR-Bürgern im Zuge des „Paneuropäischen Picknicks“ von 1989 erinnert worden ist. Ehrengäste bei der Feier in der evangelisch-lutherischen Kirche der ungarisch-österreichischen Grenzstadt waren Ungarns Premier Viktor Orbán und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. In diesem Zusammenhang wurden einige eindrückliche Akzente gesetzt.

Zum Einen hob der Erzbischof von Budapest, Kardinal Peter Erdö, in seiner Predigt die Bedeutung des Christentums für Ungarn und Europa hervor. König Stephan (969–1038), er wurde später heiliggesprochen, habe die Ungarn in die „große Familie des christlichen Westens“ geführt und auf diesem Wege deren Identität, Sprache, Kultur und Gemeinschaft bewahrt. Nicht bloß politischer Konsens, sondern vor allem der christliche Glaube als gemeinsame Basis habe Ungarn und den Rest Europas verbunden. Stephan habe sein Königreich auf dem Fundament des Christentums errichtet, betonte der Kardinal und erinnerte auch an Papst Johannes Paul II. (1978–2005) und dessen Plädoyer für die Bedeutung des christlichen Erbes für Europa. Das Christentum lehre Wertschätzung für die Bedeutung der gegenseitigen Fürsorge und die Kraft der Gemeinschaft, fügte Erdö hinzu. Aus der Bibel lerne man aber auch, dass die Verschiedenheit von Nationen und Kulturen zu den Reichtümern der Welt gehöre. Deshalb könne ein Christ zwar die Nation als einen Wert betrachten, müsse aber auch andere Nationen respektieren, hob der Kardinal hervor. Weder eine Nation noch eine Ideologie dürfe sich zudem als „höchster Wert“ betrachten.

Ein anderer Akzent: Das Verhältnis zwischen Merkel und Orbán gilt wegen der unterschiedlichen Auffassungen in der Flüchtlingspolitik als gespannt. Nun lobte Orbán aber Merkel ausdrücklich. Die Kanzlerin genieße „die Wertschätzung der ungarischen Nation“, zumal sie stets für den europäischen Zusammenhalt gearbeitet habe, so der ungarische Premier. Europas Einheit sei aber nicht vollendet, vielmehr müsse sie „von Konflikt zu Konflikt“ stets neu erschaffen werden, so Orbán.

DT/KAP